Den Menschen einen Ort der Identität zurück geben

Dies hat Heiner Giese, der Diözesanbaumeister der Diözese Rottenburg-Stuttgart, betont. Giese leitet ein Projekt der Wiederbauhilfe in dem nahe L’Aquila gelegenen Dorf Onna, das die Diözese Rottenburg-Stuttgart im Auftrag und mit Mitteln der Bundesregierung durchführt. In dem insgesamt mit rund 3,5 Millionen Euro bezifferten Projekt soll vor allem die weitgehend zerstörte historische Kirche San Pietro Apostolo in Onna wieder aufgebaut werden, die in ihren Ursprüngen bis in die Gotik zurückreicht. Zugleich wird das Bauwerk erdbebensicher gemacht. Die Kirche, so Giese, stelle nicht nur baulich den Kern der zu 90 Prozent zerstörten Ortschaft dar, sondern sei auch ein existenzielles Zentrum für die Menschen in Onna. Deshalb bedeute ihr Wiederaufbau eine Hilfe dazu, dass die Bewohner, von denen viele heute noch traumatisiert seien, ihre Identität wieder zurückerhalten könnten. Das Abruzzendorf Onna hatte im Jahr 1944 durch die deutsche Wehrmacht ein Massaker mit 17 Toten erlitten, bei dem der größte Teil des Ortes zerstört worden war. Deshalb ist die Wiederaufbauhilfe gerade in diesem Ort aus deutscher Sicht ein wichtiges Zeichen der Versöhnung. Vor dem Hintergrund dieser Erinnerung ist es nach den Worten Gieses entscheidend, in der Zusammenarbeit den richtigen Ton zu finden und alle Beteiligten vor Ort so in die Planungen einzubeziehen, dass daraus ein gemeinschaftliches Projekt entsteht. Aus diesem Grund wird Giese auch Anfang Dezember in einer Gemeindeversammlung in Onna den bisherigen Stand der Vorbereitungen sowie die weiteren Schritte erläutern. Bei der bisher bereits erfolgten Sicherung des noch vorhandenen Gebäudebestands und der Bergung von wertvollen Kunstgegenständen seien in der Kirche bisher nicht bekannte Fresken aus dem 14. Jahrhundert unter dem abgeplatzten Putz zutage gekommen, berichtete Giese. Ob und wie sie gerettet werden können, sei noch offen. Über den vermessenen und dokumentierten Gebäuderesten sei jetzt ein Notdach zum Schutz vor Regen, Schnee und weiterem Zerfall errichtet worden. Im Januar 2010 starte man mit einer deutsch-italienischen Ausschreibung für die weiteren Planungen, die bis zur Karwoche 2010 zu einem realisierungsfähigen Projekt führen sollen. Die bauliche Umsetzung ist nach Auskunft Gieses zum Beginn des Jahres 2011 vorgesehen.

Dr. Thomas Broch