Den Menschen nicht auf Brauchbarkeit reduzieren

Anlässlich eines Besuchs des Caritas-Krankenhauses in Bad Mergentheim am Samstag, sagte er, wenn nur noch betriebswirtschaftiche Rationalität vorherrsche, schade dies der Beziehung zwischen Mitarbeitenden und Patienten und beeinträchtige „die spezifische Dynamik der helfenden Beziehung“. „Falsch verstandener Effizienzdruck leistet gefährlicher und gewalttätiger Pflege Vorschub“, betonte der Bischof. Mit Berufung auf das Wort des Sozialpsychologen Erich Fromm, der Mensch sei „kein Ding“, sondern „ein unergründbares Geheimnis“, hob Bischof Fürst die besondere Aufgabe konfessioneller Krankenhäuser hervor, die Würde und die Transzendenz des Menschen zu schützen. „Wer das Leben des Menschen auf seine Brauchbarkeit reduziert, der erzeugt Leiden und Leid in unseren Tagen“, sagte der Rottenburger Bischof.

Die christliche Orientierung eines kirchlichen Krankenhauses müsse sich in einer „gelebten Unternehmenskultur“ ausdrücken, die durch partnerschaftlichen Umgang und durch Wertschätzung der Mitarbeitenden geprägt sei. Sie zeige sich aber auch darin, dass die Bedürfnisse der Patienten konsequent als Maßstab gelten. „Nicht der Mensch ist den Richtlinien anzupassen, sondern umgekehrt.“ Zur Nächstenliebe gehöre auch die Freiheit, „aus der Position des Patienten heraus Entscheidung zu fällen über Therapien oder deren Unterlassung, auch wenn dies möglicherweise kontrovers zu diskutieren ist“, forderte Bischof Fürst.

Der Bischof erinnerte daran, dass die Tradition der Krankenpflege eine Besonderheit des Christentums seit seinen Ursprüngen sei. Immer schon sei das Christentum als „Religion der Heilung“ verstanden worden. „Von Anfang an steht im Christentum neben dem Gotteshaus immer auch das Krankenhaus.“ Auch heute seien christliche Krankenhäuser und andere Einrichtungen der Caritas Orte, wo „christliches Leben und Handeln im Sinne von Nächstenliebe und Barmherzigkeit“ beispielhaft erlebt werden können, sagte Bischof Fürst. Die Glaubwürdigkeit der Kirche könne von dieser Verlebendigung des christlichen Glaubens nur profitieren. Sie müsse sich dabei auch in ihren Organisationsformen und Strukturen immer wieder neu aufstellen, um den Zukunftsaufgaben gerecht zu werden, „damit die soziale Dimension in unserer Gesellschaft keinen Schaden nimmt“, forderte der Bischof.