Weihnachten 2020

Der andere Mensch als beste Medizin

Bischof Dr. Gebhard Fürst

Bischof Dr. Gebhard Fürst. Bild: drs/Felix Kästle

Bischof Dr. Gebhard Fürst stellt den Wert zwischenmenschlicher Beziehungen in den Mittelpunkt seiner Predigt zu Weihnachten 2020.

Im Jahr der Coronapandemie fühlen sich viele Menschen besonders am Weihnachtsfest einsam und alleingelassen. Dabei erschließe uns gerade dieses Weihnachten 2020 zugleich auch eine heilsame Wahrheit über unser menschliches Leben und lasse uns ganz besonders deutlich spüren, wie wir alle auf Beziehungen angewiesen sind, sagt Bischof Dr. Gebhard Fürst.

„Wir vermissen andere, andere vermissen uns. So erfahren wir, wovon wir eigentlich leben: nicht zuerst vom Wohlstand, nicht zuerst von Geld und Besitz, sondern wir leben von zwischenmenschlichen Beziehung. Wir werden es nicht vergessen: hoffentlich nicht“, sagt der Bischof anlässlich des Pontifikalhochamts zu Weihnachten am 25. Dezember im Dom St. Martin in Rottenburg.

 

Gott kommt herein
in meine Menschenwelt,
wo ich einsam bin
und mich wie verloren fühle.


Beziehungslosigkeit, Kontaktsperre und Einsamkeit, wie wir sie gegenwärtig erfahren müssen, machten krank. Doch gerade in diese Verlorenheiten hinein spreche die Weihnachtsbotschaft uns an, betont der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Denn sie verkünde uns: „Gott kommt herein in meine Menschenwelt, wo ich einsam bin und mich wie verloren fühle.“ Gott sei da, wenn alle und alles uns verlassen habe.

„Da lebt einer, der unsere Einsamkeit erlöst. Was das bedeutet, verstehen wir an diesem Weihnachtsfest besonders gut“, sagt Fürst. Denn Gott halte sich nicht heraus aus unseren leidvollen Erfahrungen. „Er kommt herein, er ist da, wir sind nicht allein.“

Wo Menschen aus dieser Weihnachtsbotschaft heraus lebten, da sei der andere Mensch die beste Medizin. Weil Gott zu uns gekommen ist und bei uns bleibt, könnten wir Einsamkeit und Not teilen. „Zeigen wir durch unser Menschsein, dass wir an diesen Gott der christlichen Religion glauben. Leben wir aus diesem weihnachtlichen Glauben an den menschgewordenen uns hautnah gegenwärtigen Gott, dann wird unser menschliches Leben erlöster und heiler.“