Trauerfeier

Der Anonymität Lebewohl sagen

Am Dienstag, 28. Juli, gedenken die evangelische und die katholische Kirche erstmals den unbedacht Verstorbenen in Stuttgart.

Stuttgart zählt jedes Jahr knapp 400 angeordnete Bestattungen. Es sind Menschen, die für ihre eigene Bestattung nicht vorsorgen konnten oder wollten und die auch keine Angehörigen hatten, die sich darum kümmerten. Die evangelische und die katholische Kirche laden am nächsten Dienstag, 28. Juli, um 10 Uhr, erstmals zu einer Trauerfeier für die unbedacht Verstorbenen, die getauft sind und bis zu ihrem Lebensende einer Kirche angehört haben. Um die Menschen aus der Anonymität zu holen, werden ihre Namen verlesen und für jede und jeden eine Kerze entzündet. Die Trauerfeier findet in der Trauerhalle auf dem Waldfriedhof statt.

Wie ein Mensch in unserer Gesellschaft bestattet wird, ist nicht nur Spiegel seines persönlichen Lebens, sondern auch Ausdruck des gesellschaftlichen Umgangs mit der Würde der Toten. In Stuttgart gab es im vergangenen Jahr 387 angeordnete Bestattungen, 2018 waren es 395 gewesen, für dieses Jahr liegen noch keine Zahlen vor. Der Leichnam wird in der Regel verbrannt und die Urne anonym beigesetzt. Es sind die sterblichen Überreste von Menschen, die für ihre eigene Bestattung nicht vorsorgen konnten oder wollten und die keine Angehörigen hatten, die sich darum kümmerten. Unter den einsam Verstorbenen sind Menschen, die getauft sind und bis zu ihrem Lebensende einer Kirche angehört haben. Für diese verstorbenen Kirchenmitglieder wird am nächsten Dienstag erstmalig eine ökumenische Trauerfeier auf dem Waldfriedhof gestaltet, verantwortet vom Evangelischen Kirchenkreis Stuttgart und vom Katholischen Stadtdekanat Stuttgart.

Gott hat sie in der Taufe beim Namen genannt. Bei Gott sind sie nicht vergessen.

 

Die unbedacht Verstorbenen werden während der Feier aus der Anonymität geholt. „Gott hat sie in der Taufe beim Namen genannt. Bei Gott sind sie nicht vergessen“, sagt der katholische Pfarrer Anton Seeberger, der gemeinsam mit der evangelischen Pfarrerin Eva Deimling die Trauerfeier gestaltet. Zum Zeichen dafür werden die Namen der Verstorbenen vorgelesen und dabei Kerzen entzündet. Gebete, Lesungen und ein gemeinsames Vaterunser umrahmen die Feier.

„Die Getauften bleiben über den Tod hinaus miteinander verbunden, weil sie zu Christus gehören, auf dessen Tod und Auferstehung sie getauft sind“, sagt Eva Deimling. Die ökumenische Trauerfeier für die unbedacht Verstorbenen ist Ausdruck der christlichen Fürsorge für die Toten und der Würdigung ihres Lebens.