Der Anspruch eines christlichen Ethos in der Pflege ist nicht verhandelbar

überbrachte die Glückwünsche auch im Namen von Bischof Gebhard Fürst. Trotz der Erfolgsgeschichte der katholischen Sozialstationen und deren kontinuierlicher Anpassung an neue Entwicklungen gebe es heute „ungelöste Grundfragen“, betonte die Rottenburger Ordinariatsrätin. Dazu gehöre vor allem die Frage, „ob und wie es angesichts des hohen ökonomischen Drucks im sogenannten Markt der sozialen Dienstleistungen möglich sein wird, den individuellen Bedürfnissen der Kranken und Pflegebedürftigen deutlicher entgegenzukommen“. Damit sei auch die Frage verbunden, „wie es gelingen kann, den Überzeugungen eines christlich fundierten Pflegeverständnisses im Wettbewerb von Anbietern treu zu bleiben“, sagte Stetter-Karp.

Zwar könne man annehmen, das es zwischen der modernen Pflegekonzeption des so genannten „Caring“ , der Mitsorge, und den „altchristlichen Ideen“ eine „organische und enge konzeptionelle Verbindung“ gebe. Denn das „Caring“ sei „abgeleitet vom alten Begriff des Mitleidens im christlichen Ethos der Pflege“, sagte die Ordinariatsrätin. Doch dürften „Begrifflichkeiten und Instrumente aus dem Markt beliebiger produktorientierter Dienstleistungen nicht eins zu eins übertragen“ werden. Christliche Einrichtungen müssten zeigen, dass sie den anderen Einrichtungen an Modernität nicht nachstehen. Aber sie dürften sich dabei nicht in die Gefahr begeben, „sich ihrer eigenen Wurzeln zu berauben und sich einseitig auf reinen Funktionalismus auszurichten“, betonte Stetter-Karp. Gefragt seien „konkrete Lösungen, die die Spannung zwischen dem ökonomischen Druck und dem eigenen Anspruch verringern helfen und die immer neu eine Balance zwischen beiden Notwendigkeiten finden“. Dazu, so Stetter-Karp, bedürfe es der Bereitschaft zur Selbstkritik sowie einer hohen Veränderungsbereitschaft und einer „Verhandlungskultur, in denen die Verhandlungpartner erkennen können, was konkret der Gegenstand der ambulanten Pflege ist, wenn sie sich dem christlichen Ethos und damit einer radikalen Humanität verpflichtet sieht“. Dieser Gegenstand sei nicht verhandelbar, betonte die Caritasverantwortliche der Diözese.

Auch dürfe der Blick für wichtige Aufgaben, die bisher eher in der Nische wahrgenommen würden, nicht verloren gehen, forderte Stetter-Karp. Dazu gehöre vor allem die Familienpflege, die „eher ein Schattendasein“ führe, „auch wenn präventive Familienpolitik in aller Munde ist“, stelle Stetter-Karp fest.

Respekt und Hochachtung verdiene der tagtägliche Einsatz der Mitarbeitenden vor, sagte die Rottenburger Ordinariatsrätin, denn diese müssten alle Entscheidungen austragen und aushalten.