Der Austausch im persönlichen Gegenüber steht im Vordergrund

„Glaubwürdig Kirche leben“ steht als Leitgedanke über diesem Prozess. Dialog, so heißt es in diesem Schreiben, sei nicht in erster Linie Methode, sondern eine „Haltung des Hinhörens, Verstehens und Austauschens“. Begegnungen und Gespräche im persönlichen Gegenüber stünden daher im Mittelpunkt der Aktivitäten, bei denen es dem Bischof wichtig sei, als Hörender in der Diözese präsent zu sein und als Gesprächspartner zur Verfügung zu stehen. Dies sei bereits bisher und werde auch weiterhin bei Dialogveranstaltungen der Dekanate der Fall sein. Gespräche hätten aber auch mit kritischen Initiativgruppen wie der Gruppe „pro concilio“ in Esslingen oder dem „Forum Thomas“ in Göppingen stattgefunden. Er würdige das Engagement solcher Gruppen und werde auch künftig das Gespräch mit ihnen suchen, betonte Bischof Fürst.

Einen wichtigen Part in dem Dialog- und Erneuerungsprozess weist Bischof Fürst den gewählten Beratungsgremien Diözesanrat und Diözesan-Priesterrat zu. So habe sich der Diözesanrat im Mai dieses Jahres unter seinem Vorsitz mit zahlreichen bedrängenden Themen befasst und diese in der Reihenfolge ihrer Dringlichkeit benannt: Zukunft der Pastoral in den Kirchengemeinden, Stellung der Frau in der Kirche, so genannte konfessionsverbindende Ehen und Familien, Zölibatsverpflichtung für Weltpriester, geistliche Erneuerung sowie heutige Aufgaben in Welt und Gesellschaft. In Ausschüssen berate der Diözesanrat diese Themen weiter und werde die Ergebnisse in den Dialogprozess einbringen. Im Oktober, so der Bericht, befasse sich der Diözesanrat in einem Studientag mit den Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils über „Die Kirche in der Welt von heute“ und mache damit deutlich, dass die theologischen und pastoralen Vorgaben des Konzils Leitlinien des kirchlichen Erneuerungsprozesses sein müssen. Präsenz und Mitgestaltung der Kirche in der Gesellschaft sei eine zentrale und bleibende Aufgabe.

Auch kontrovers diskutierte Themen, so genannte „heiße Eisen“, sollen nach dem Willen von Bischof Fürst ausdrücklich aufgegriffen werden. So habe sich der Diözesan-Priesterrat bereits im Mai dieses Jahres mit der Situation von Menschen befasst, die geschieden und wieder verheiratet sind. Im September will er diese Diskussion fortsetzen. Auch Fragen der kirchlichen Sexualmoral stehen auf der Agenda. Im Dezember wird sich Bischof Fürst mit Jugendlichen zu einem Gespräch über „Sexualität – Kirche – Moral“ treffen. Die schriftlich im Rahmen des „[jugendforum]3“ fixierten Erwartungen und Empfehlungen junger Menschen an die Kirche werden im Dialogprozess einen wichtigen Platz einnehmen, so der Bischof.

Für die Bearbeitung einiger der dringlichsten Themen, die der Diözese nach den Worten des Bischofs „auf den Nägeln brennen“, wurden in der Verantwortung von Mitgliedern der Diözesanleitung Arbeitsgruppen gebildet: zur Situation „konfessionsverbindender Ehen“, zum Thema „wiederverheiratete Geschiedene“ und zu „Strukturfragen der Seelsorge“ – Letzteres ein Thema, das wegen seiner Komplexität in Unterkommissionen beraten und voran gebracht werden muss.

Dr. Thomas Broch