Gottesdienst

Der Deal gilt bis heute

Die beiden Landräte stehen rechts und links des Seitenaltars mit der Figur des Heiligen Bernhard, die in weißem Mönchsgewand vor Maria kniet. Maria hält auf ihrem linken Arm das Jesuskind und fasst mit der rechten Hand an die entblößte Brust.

Landrat Dr. Heiko Schmid (r.) und sein Vorvorgänger Dr. Wilfried Steuer (l.) vor der Figur des Heiligen Bernhard im Münster Heiligkreuztal, die dem Landkreis Biberach gehört - Foto: DRS/Markus Waggershauser

Die Figur des Bernhard von Clairvaux im Heiligkreuztaler Münster gehört dem Landkreis Biberach und ist Anlass für eine jährliche Gedenkmesse.

Der Heilige Bernhard prägte die Zisterzienser nachhaltig und gilt als deren zweiter Gründungsvater. Dass sein Namenstag in einem ehemaligen Frauenkloster dieses Ordens besonders gefeiert wird, mag wenig verwundern. Etwas erstaunlicher ist die Tatsache, dass kein Kirchenmann, sondern Landrat Heiko Schmid zur 44. Bernhardsmesse am 20. August nach Heiligkreuztal einlud. Unter den etwa 50 Gästen sind aktive und ehemalige Bürgermeister und Mitglieder des Biberacher Kreistags. Am Altar stehen der diesjährige Festprediger Pfarrer Michael Stork, Dekan Sigmund F.J. Schänzle und Diakon Alfred Fraidling von der Stefanus-Gemeinschaft.

Was es mit dieser besonderen Tradition auf sich hat, weiß Wilfried Steuer, Schmids Vorvorgänger als Landrat. Er zeigt an einem Seitenaltar des Münsters auf die weiß gekleidete, knieende Mönchsfigur, der Maria ihre entblößte Brust entgegenhält. Abt Bernhard habe die Gottesmutter verehrt, durch die den Menschenkindern göttliche Gnade zufließe, erklärte Pfarrer Stork das Bild "Maria lactans" in der Predigt. Die Figur des Heiligen befand sich aber nicht immer an dieser Stelle. Karl Anton Maier, nach dem Zweiten Weltkrieg Landrat in Saulgau, erwarb die Darstellung nämlich in Paris.

Sorge um die Sicherheit

Zunächst war der Heilige für die Kapelle im Riedlinger Krankenhaus vorgesehen. "Die Schwestern dort wollten aber lieber eine Maria haben", erzählt Steuer. Der heute 88-Jährige wurde 1968 Maiers Nachfolger. Nach der Kreisreform 1972 wechselten sowohl der Ort Heiligkreuztal als auch Landrat Steuer vom aufgelösten Kreis Saulgau nach Biberach. Steuer brachte die Bernhardsfigur schließlich als Dauerleihgabe des Landkreises ins St-Anna-Münster, wo sie vermutlich bereits früher ihren angestammten Platz im Altar von Melchior Binder aus dem Jahr 1608 hatte.

Da die Figur kunsthistorisch wertvoll sei, riet Steuer dem damaligen Ortspfarrer Josef Aierstock, das gute Stück zu versichern. "Der hielt aber nichts davon", erinnert sich der ehemalige Landrat. "Dann feiern Sie wenigstens jährlich am Festtag des Heiligen eine Messe in den Anliegen des Landkreises", legte Steuer nach. Auf diesen Deal ging der Geistliche ein. So kamen Vertreter aus Politik und Gesellschaft am 20. August 1978 erstmals zur Heiligkreuztaler Bernhardsmesse zusammen. Und der Deal gilt bis heute.

Reform und Erneuerung

In der Spiritualität des Bernhard von Clairvaux kennt sich Michael Stork, seit gut anderthalb Jahren Pfarrer in der Seelsorgeeinheit Ertingen, aus. Schließlich war er selbst zwölf Jahre lang Zisterzienser in der Abtei Himmerod und im Kloster Marienstatt. In seiner Predigt charakterisierte er Bernhard als intensiven Gottsucher. Diese Suche führe den Menschen aus asozialem Verhalten, wo sich alles nur um einen selbst drehe, heraus zu mehr Solidarität, wie sie Jesus vorgelebt habe. So entspreche er wieder mehr seiner eigentlichen Bestimmung, Ebenbild Gottes zu sein, betonte der Priester.

Bernhard gilt als großer Reformer des Mönchtums seiner Zeit. Reform und Erneuerung sei auch heute gefordert, schloss der Prediger. Er meinte damit sicher nicht nur die Kirche, sondern auch in der Politik. Über diese Gedanken konnten sich die Mitfeiernden nach der Messe beim traditionellen Mittagessen im "Roten Haus" in Andelfingen austauschen. Mit seinem gereimten Tischgebet erinnerte Dekan Schänzle neben Corona an Überschwemmungen und andere Katastrophen, die auch vor dem Landkreis Biberach nicht Halt machen. So war sein Fürbittgebet sicher auch im Sinne des Deals von 1978.

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