Der eigenen Sehnsucht trauen

Bischof Gebhard Fürst, Weihbischof Thomas Maria Renz, der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes sowie neun Mitglieder des Diözesan- und Priesterrats vertraten die Diözese in den Gesprächen rund um das Thema Liturgie.

„Ich habe mit Diskussionen über Strukturen gerechnet und war am Ende sehr bewegt und beeindruckt von der Tiefgründigkeit der Gespräche“, sagte Bischof Fürst. Es habe ihn sehr berührt, welch großes, inneres Anliegen das Thema Liturgie den Teilnehmern ist.

Das persönliche Fazit des Diözesanbischofs nach diesen zwei Gesprächstagen lautet: „Das Heil stiftende, das von der Liturgie ausgeht, ist zu wenig erfahrbar“. Dieses tief verwurzelte Grundbedürfnis der Menschen zu erfüllen, sei das Ziel. Für Bischof Fürst kann dies nur gelingen, wenn der Liturg in einer Feier selbst ergriffen ist: „Der Feiernde muss in der Form der Liturgie so wohnen, dass sie mit Herz, Seele und Leib zur kommunikativen Gestalt wird und kein starres Gerüst ist“, so der Bischof. Dies gelte gleichermaßen für Priester wie für Laien, ergänzte er.

Für Bischof Fürst sei es deshalb sehr wichtig, dass die Eucharistiefeier nicht der ausschließliche Raum für Liturgie sei. „Wir dürfen und müssen diesen Raum ausdehnen auf eine Vielfalt an liturgischen Ereignissen“. Denn das Geheimnis des Glaubens verstehe nur, wer davon berührt ist. „Wir müssen mehr Formen dafür finden und aufmerksam bleiben für die Bedürfnisse der Menschen“, sagte der Bischof.

Wie das gelingen kann? „Wir dürfen nicht nur mit dem Verstand neue Wege suchen, wir müssen uns von dem berühren lassen, was uns heil macht – über den Alltag hinaus. Dann werden wir kreativer. Neues entsteht, wenn wir unserer eigenen Sehnsucht trauen“, ist sich Bischof Fürst sicher.