Der Mensch braucht Zeichen am Wegesrand

Zu Beginn der Feier weihte der Bischof ein neues Wegkreuz vor dem Torbogen zum Klosterhof von Ochsenhausen ein. In seiner schließenden Predigt in der Klosterkirche sprach der Bischof über das Zeichen des Regensbogens, dass Gott nach der Sintflut am Firmament setzte. Es sei das Bundeszeichen Gottes mit den Menschen. Der Mensch bedürfe solcher Zeichen am Weg, um sich zu erinnern, dass Gott mit ihm auf dem Weg sei. „Wir Menschen brauchen Wegzeichen, Zeichen, die uns an unserem Weg daran erinnern, dass wir nicht allein auf unserem Weg sind. Wir brauchen Lebenszeichen, Lebenszeichen von anderen Menschen, die signalisieren: Du bist nicht allein, da sind Mitmenschen, die für uns da sind, die ebenfalls auf dem Weg sind. Wir Menschen brauchen schließlich nicht zuletzt Glaubenszeichen, Zeichen, die unseren Glauben versinnbildlichen, verdichten und ihn so verdeutlichen und erschließen. Solche Glaubenszeichen öffnen als Zeichen auf unserem Weg neue und vertiefende Blicke auf unser Leben vor und mit Gott und können so zu Lebenszeichen werden, zu Zeichen, die unser Leben begleiten und ihm Halt geben können“, sagte Bischof Fürst.

Es gäbe heute eine Flut von Dingen, die die Menschen „besitzen und verbrauchen, die das Leben ersticken“, so der Bischof. Da sei es gut, immer wieder auf entscheidende und hilfreiche Zeichen zu stoßen, die nachdenklich machten und stille werden ließen. Sie mahnten zu Umkehr und Veränderung und könnten als Lebenszeichen neue Wege weisen. „Vor allem aber haben wir die Zeichen, in denen Gott seinen Bund jedes mal mit einem Menschen und mit seinem Volk eingeht, das Wasser der Taufe und das Brot der Eucharistie.“

In der anschließenden Rede zur Stiftungsgründung ging der Bischof auf die Bedeutung von Stiftungen ein. Schon im Mittelalter habe es eine Kultur des Stiftens gegeben, so der Bischof, meist um notleidende Menschen zu unterstützen. Heute seien es knapp 10.000 Stiftungen in Deutschland, ein Drittel davon in den letzten zehn Jahren gegründet. Die Stifter wollten heute dazu beitragen, Lücken im sozialen Netz zu schließen oder, wie bei der neu gegründeten Stiftung, zur Erhaltung kirchlichen Kulturerbes beizutragen. Dabei brächten die Stifter neben ihrem Kapital auch viel Engagement und Idealismus in die Stiftung ein. Sie seien damit weitblickende Menschen, so der Bischof.

Die Stiftung „Wegzeichen – Lebenszeichen – Glaubenszeichen“ wird von etwa 50 Stiftern getragen, die einem Aufruf des Bischofs im Vorfeld der Stiftungsgründung gefolgt sind. Dabei handelt es sich um einzelne Personen, Kirchengemeinden, Kommunen und Organisationen, die den Bischof in seinem Anliegen unterstützen wollen. Das Stiftungskapital beträgt bei Stiftungsgründung 85.000 Euro. Den Vorstand der Stiftung hat für vier Jahre Volker Farrenkopf, Chefredakteur, inne. Im Stiftungsrat sind fünf Mitglieder, Dr. Kurt Diemer, Biberach, Dr. Uwe Scharfenecker, Neckarsulm, Dr. Gehard Spilok, Bad Cannstatt, Dekan Thomas Steiger, Tübingen und Dr. Wolfgang Zimmermann, Herrenberg.

Der Stiftungszweck wird in der Satzung so definiert: "Die Stiftung will die Wertschätzung der religiösen Denkmale, Stätten des Gebetes und von Kunstwerken zur religiösen Erbauung (wie Feldkreuze, Bildstöcke, Kapellen, Heiligenbilder und -figuren an Häusern u. ä.) in Feld und Flur wie auch in Ortschaften der Diözese fördern, seien sie in privatem Besitz, oder in Besitz von kirchlichen oder sonstigen öffentlich rechtlichen Rechtspersonen, und ihren Schutz und ihre Erhaltung anregen. Soweit notwendig und Mittel vorhanden sind, soll sie die Erhaltung der religiösen Kulturdenkmale auch finanziell unterstützen. Dazu soll sie die Bildung örtlicher Initiativen für die Erhaltung der religiösen Kulturdenkmale anregen und die Eigentümer von solchen ermutigen, auf die Erhaltung ihrer religiösen Kulturdenkmale zu achten. Die Errichtung neuer religiöser Kulturdenkmale soll gefördert werden."