Der Mensch – für den Himmel bestimmt

Dies sei, so Kreidler, „ein anspruchsvolles Wort in Zeiten, in denen immer mehr, vor allem auch junge Menschen, den Sinn ihres Lebens nicht mehr erkennen und sich in alle erdenklichen Formen von Sucht flüchten“. Das Leben vieler Menschen sei sehr angespannt und angestrengt geworden; der Kampf um die Sicherung der eigenen Existenz verstricke sie in große Ruhelosigkeit und Unsicherheit. Um Kraft und Ruhe zu finden, müssten die Menschen wieder neu lernen, „zum Himmel aufzublicken“, betonte Weihbischof Kreidler. Denn „ein Daheimsein, das all unsere Sehnsucht stillt“. könne nur Gott schenken. Hoffnung und Sinn komme aus dem Vertrauen, „dass wir mit allem, was wir erfahren haben, mit den liebenden Umarmungen und den Verwundungen, mit den schönsten und den abgrundtiefsten Erfahrungen, für den Himmel bestimmt“ seien, sagte der Weihbischof.


Es gehe aber auch darum, sich auf den Weg zu einander zu machen. Auch wenn jeder den Weg des Glaubens alleine gehen müsse, gebe es „Gefährtinnen und Gefährten auf dem Weg, Menschen, die dazu ermuntern, nicht aufzugeben“, so Johannes Kreidler. Die modernen Kommunikationsmittel würden uns „nicht automatisch in herzliche Verbundenheit bringen“, betonte er, er komme darauf an, „das Herz des anderen zu erreichen, sonst bleibt man in den innersten Dingen allein“. Die Leistungsgesellschaft müsse wieder zu einer „Beziehungsgesellschaft“ werden, forderte der Weihbischof und sagte: „Wo alles auf Leistung und funktionale Kommunikation getrimmt ist, zerbrechen die zwischenmenschlichen Beziehungen.“ Ein neuer Schlüssel sei „die Begegnung von Herz zu Herz“. Das bedeute, so Weihbischof Kreidler, einen Menschen spüren zu lassen, dass er um seiner selbst geliebt werde, dass man „zunächst einmal einfach sein lasse“ und ihm „Luft gebe“, aber auch „das Gefühl, dass wir bereit sind, sehr lange Wege mit ihm zu gehen“. „Wagen wir es, einander in das eigene Herz schauen zu lassen, und gehen wir mit dem, was wir im Herzen anderer wahrnehmen, achtsam und ehrfurchtsvoll um“, forderte Weihbischof Kreidler seine Zuhörer auf.