Der Mensch hat sein Lebensrecht von Gott her

Bischof Gebhard Fürst bezeichnete das Leben als Geschenk Gottes: Es sei den Menschen geschenkt, damit sie es trotz Leiden und Tod annehmen und gestalten können. In der heutigen Zeit wachse die Herausforderung, das medizinisch Leistbare, das juristisch Vertretbare und das ethisch Gebotene in einen Ausgleich zu bringen. Der christliche Glaube gebe jedoch die Freiheit, angemessene Vorsorge zu treffen, so der Bischof: „Als Geschöpfe Gottes sind die Menschen befähigt, das Leben zu gestalten – auch in der letzten Phase.“ Dazu gehöre, Informationen zu erhalten, entscheiden zu dürfen und Zeit zum Annehmen des eigenen Todes zu haben.

In diesem Zusammenhang plädierte der Bischof für eine schriftliche Patientenverfügung, da sie Ärzten und Pflegenden erleichtere, die Wünsche des Kranken zu achten. Falls Menschen in eine Situation gerieten, in der sie nicht mehr in der Lage seien, selbst über medizinische Maßnahmen zu entscheiden, sei eine Patientenverfügung vom Arzt als wichtige Entscheidungshilfe zu berücksichtigen. Allerdings dürfe sich eine gute Sterbebegleitung nie allein auf die Ermittlung des mutmaßlichen Willens des Patienten erschöpfen, sondern müsse konsequent palliativmedizinische und -pflegerische Standards in die Pflege einbeziehen, warnte der Bischof.

Maßnahmen, die die Aussicht auf Heilung zu verbesserten, sagte Bischof Fürst Unterstützung seitens der Kirche zu: Um menschenwürdig leben zu können, könne sowohl eine intensive medizinische Behandlung erforderlich sein, als auch der Verzicht auf ihre Anwendung. „Letztlich muss die Entscheidung aus der konkreten Lage des sterbenden Menschen heraus und von seinen Bedürfnissen her getroffen werden“, so der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Aktiver Sterbeihilfe erteilte Bischof Fürst eine klare Absage: Weil Gott allein Herr über Leben und Tod sei, seien Leben und Menschenwürde geschützt. Das Töten eines Menschen könne niemals eine Tat der Liebe oder des Mitleids sein, denn es vernichte die Basis der Liebe und es Vertrauens. Christen lebten nicht mit dem alleinigen Vorsatz „mein Wille geschehe“. Es könnte die Chance eines großen inneren Reifungsprozesses sein, wenn sich ein Patient dafür entscheide, den Weg durch Krankheit und Leid anzunehmen, auch wenn dieser das Ertragen von Schmerzen und belastenden Behandlungen beinhalte. Sein Leben mitzuverantworten sei etwas anderes, als sein Leben und seinen Tod vollständig im Griff zu haben, betonte Bischof Fürst: „Die Beherrschung des Todes liegt nicht im Horizont menschlicher Handlungsmöglichkeiten.“
Abschließend verwies der Bischof auf das Angebot der Kirchen, Patienten, Angehörige und diejenigen, die im Gesundheitswesen tätig sind, seelsorgerlich und mit Rat zu begleiten.

Die Kirche steht der Patientenverfügung grundsätzlich offen gegenüber. Im Jahr 1999 hat die Deutsche Bischofskonferenz zusammen mit dem Rat der Evangelischen Kirche Deutschlands eine „Christliche Patientenverfügung mit Vorsorgevollmacht und Bertreuungsverfügung“ herausgegeben. Diese ist unter folgender Adresse im Internet abrufbar:

http://dbk.de/schriften/DBK6.GemeinsameTexte/index.html