Diözesanrat

Der Weg in die Zukunft

Präsidiumsmitglied Veronika Rais-Wehrstein, Bischof Dr. Gebhard Fürst, Diözesanratssprecher Dr. Johannes Warmbrunn und Priesterratssprecher Martin Stöffelmaier während der Videokonferenz zur 2. Sitzung des 11. Diözesanrats. Bild: Diözesanrat

Präsidiumsmitglied Veronika Rais-Wehrstein, Bischof Dr. Gebhard Fürst, Diözesanratssprecher Dr. Johannes Warmbrunn und Priesterratssprecher Martin Stöffelmaier während der Videokonferenz zur 2. Sitzung des 11. Diözesanrats. Bild: Diözesanrat

Der Diözesanrat wählte, stellte erste Überlegungen zu den Pastoralen Schwerpunkten an und beschäftigte sich mit dem Synodalen Weg.

Der 11. Diözesanrat hat sich am Wochenende zu seiner zweiten Sitzung getroffen. Die Rätinnen und Räte wählten weitere Ausschüsse und Vertretungen, stellten erste Überlegungen zu den Pastoralen Schwerpunkten 2023/2024 an und beschäftigten sich mit dem Synodalen Weg – Thema Macht und Gewaltenteilung. Die Sitzung fand Corona bedingt erneut in digitaler Form statt.

Ein wichtiger Bestandteil der zweiten Sitzung des Gremiums waren die Wahlen der Mitglieder in zusätzliche Sachausschüsse und Gremien. Beschlossen wurde dabei die Fortführung der Ausschüsse Europa, Familien stärken, Inklusion und INkonzept. Neu eingerichtet wurde der Ausschuss Digitalisierung. Er soll die verschiedenen Aspekte der Digitalisierung bündeln und sich in besonderer Weise mit den Folgen und Anforderungen der Digitalisierung an das kirchliche Handeln befassen.

Zudem wurde ein Satzungsausschuss gegründet mit der Aufgabe, die Kirchensteuerordnung und die Haushaltsordnung der Diözese mit den Satzungen des Diözesanrats in Einklang zu bringen. Damit arbeiten in der 11. Amtsperiode des Diözesanrats insgesamt 15 Ausschüsse. Darüberhinaus wurden Mitglieder in eine Reihe von Gremien entsandt.

Weg in die Zukunft der Diözese

Das „Responsum ad dubium“ der Kongregation für die Glaubenslehre hatte Anfang April die Segnungen von Menschen, die in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften leben, untersagt. Die persönliche Stellungnahme und der Widerspruch aus dem Präsidium des Diözesanrats gegen das Nein aus Rom sowie einige Botschaften aus dem Frauenforum am 17. April hatten bei einigen Mitgliedern des Diözesanrats Kritik hervorgerufen.

Nach einer Aussprache im Plenum sollen auf Wunsch von Bischof Dr. Gebhard Fürst Gespräche mit dem Ziel einer Verständigung auf der gemeinsamen Grundlage des Glaubens geführt werden.

Konsequenzen aus dem Frauenforum

Rückblickend auf das Frauenforum erklärte Bischof Fürst, dass er sich gemeinsam mit der Diözesanleitung
intensiv damit befassen werde, welche der Forderungen umgesetzt werden könnten, um zeitnah Regelungen zu finden bzw. bereits bestehende neu zu qualifizieren. Anregungen von Schwester Nicola-Maria Schmitt sollen dabei besonders berücksichtig und bearbeitet werden, so der Bischof.

Aufgabenfelder sind dabei unter anderem, den Frauenanteil in Leitungspositionen zu erhöhen, Möglichkeiten einer Doppelspitze auszuloten, Spendung der Taufe durch Laien und damit durch Frauen zu prüfen und das Diakonat der Frau weiter voranzutreiben. „Aber nicht als niedrige Stufe des Priestertums sondern als eigenständiges Weiheamt im Ordo einer diakonischen Kirche“, betonte der Bischof.

Außerdem soll es Möglichkeiten der Begegnung und des Austausches mit Frauen geben, die Diakonin oder Priesterin werden möchten, erklärte Bischof Fürst und bekräftigte damit seine im Frauenforum angekündigte
Einladung.

Pastorale Schwerpunkte 2023/24

Melvin Mendritzki, Vorsitzender des Pastoralausschusses, berichtete über den Prozess zur Entwicklung Pastoraler Schwerpunkte 2023/24 in der Diözese. Zu den ersten Überlegungen zu kurz-, mittel- und langfristigen Themenfelder gehörten unter anderem der Katholikentag 2022 in Stuttgart, das Thema Junge Erwachsene, Kirchliches Ehrenamt aber auch der Synodale Weg, Kirche am Ort und Digitalisierung.

In Kleingruppen diskutierten die Räte anschließend darüber, welche für sie die wichtigsten Ideen waren. Diese wurden anhand digitaler Tafeln festgehalten. Dabei kristallisierten sich vor allem die Themen, Junge Erwachsene, Gleichberechtigung und Ehrenamt heraus, jedoch dicht gefolgt von Vielfalt und Öffentlichkeitsarbeit.

Die Themen werden nun im Pastoralausschuss weiterbearbeitet. In der November-Sitzung soll dann darüber beraten und gegebenenfalls abgestimmt werden.

Synodaler Weg - Macht und Gewaltenteilung

In seinem Impulsreferat informierte Prof. Dr. Thomas Söding, Professor für Neutestamentliche Exegese an der Ruhr-Universität Bochum, zum Thema Macht und Gewaltenteilung aus dem gleichnamigen Forum des Synodalen Wegs (Forum 1). Die Beratungen sollen einen Prozess in Gang setzen, der zum Thema Macht und Gewaltenteilung mit konkreten Maßnahmen in der Diözese weiterbringen soll.

Neben diesen Beratungen im Synodalen Weg sollen aber auch Impulse für wichtige Handlungsansätze für Macht- und Gewaltenteilung in der Diözese Rottenburg-Stuttgart aus Sicht des Diözesanrats identifiziert werden. Eingeleitet durch das Impulsreferat wurde das Thema in Kleingruppen diskutiert. Die wichtigsten Handlungsfelder wurden auch hier anhand digitaler Tafeln festgehalten.

Besonders wichtig erschien den Rätinnen und Räten dabei Gleichberechtigung, Gemeindeleben und Transparenz, gefolgt von Gewaltenteilung und Subsidiarität. In der anschließenden Diskussion wurde das Thema nochmals aufgegriffen und intensiv besprochen. Schwester Nicola Maria Schmitt betonte, Gemeinschaft werde durch Mitsprache geschaffen. Man müsse die Zeichen der Zeit erkennen und Möglichkeiten finden, Gemeinde erlebbar zu machen.

Stadtdekan Monsignore Christian Hermes plädierte dafür, das in Angriff zu nehmen, was bereits jetzt im Rahmen des geltenden Rechts möglich sei. Das Rottenburger Modell sei eine gute Grundlage, doch könne man sich
nicht darauf ausruhen. Durch die Struktur des Rottenburger Modells sei der Diözesanrat Rottenburg-Stuttgart aber schon im kontinuierlichen Dialog mit dem Bischof, ergänzte Diözesanratssprecher Dr. Johannes Warmbrunn, denn „als Vorsitzender des Diözesanrats sitzt der Bischof immer mit am Tisch. So muss er sich auch immer alles anhören, ob es ihm gefällt oder nicht.“

Bischof Dr. Gebhard Fürst wünschte sich Rückenstärkung seitens des Diözesanrats für seine Bemühungen beim Synodalen Weg. Im Wissen, dass kein Modell perfekt sei und alles weiterentwickelt werden könne, sei er ein unermüdlicher Botschafter des Rottenburger Modells. Die durch die Diskussion definierten Handlungsansätze wurden zur Weiterbearbeitung und Vorbereitung eines Votums an den Pastoralausschuss weitergeben. In der November-Sitzung soll dann darüber beraten und gegebenenfalls abgestimmt werden.

Weitere Themen

Des Weiteren stand die Vorstellung der Konzeption des Religionsunterrichts in der Diözese auf der Tagesordnung. Eine der Botschaften war, dass an dem konfessionellen Religionsunterricht in Kooperation mit der evangelischen Kirche festgehalten werden soll. Weiteres Thema war die Jahresüberschussverwendung für 2020.

Dabei ging es um Zuschüsse an Ordensgemeinschaften, die Corona bedingt Umsatzausfälle in den ordenseigenen Tagungs-, Exerzitien- und Gästehäusern zu verzeichnen hatten. Der Diözesanrat bewilligte einen Zuschuss in Höhe von rund 1,34 Mio. Euro.

Solidaritätsbekundung mit dem Kölner Diözesanrat

Vor dem Hintergrund der offensichtlich schweren Vertrauenskrise zwischen Bistumsleitung und den gewählten Laienvertretern der Katholischen Kirche im Erzbistum Köln richtet sich der Diözesanrat Rottenburg-Stuttgart mit einem Grußwort der Solidarität an die Mitglieder des Kölner Diözesanrats und unterstützt diese ausdrücklich in ihren Bemühungen um Glaubwürdigkeit und eine transparente und verbindliche Kommunikation in allen Ebenen der Katholischen Kirche.

„Auf diesem eingeschlagenen Weg, das Vertrauen in die Kirche zum Wohl der Menschen zu stärken, wünschen wir dem Kölner Diözesanrat Gottes Segen“, ergänzte Diözesanratssprecher Dr. Johannes Warmbrunn.

Der Diözesanrat

Der Diözesanrat ist das oberste gewählte Ratsgremium der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Als Pastoralrat berät er den Bischof in Angelegenheiten des kirchlichen Lebens. Als Katholikenrat vertritt er die Katholikinnen und Katholiken in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Als Kirchensteuervertretung entscheidet er über die Höhe und Verwendung der Kirchensteuer und beschließt den Haushalt der Diözese Rottenburg-Stuttgart, der durch die Unterzeichnung des Bischofs in Kraft gesetzt wird.