Gedenken

Deutsche Einheit als Geschenk und Aufgabe

Gottesdienst in der Bussenkirche am Tag der Deutschen Einheit mit (v.l.) dem evangelischen Dekan Matthias Krack, dem Bundestagsabgeordneten Josef Rief, Bernd Schwarzendorfer als Vertreter des Landkreises Biberach und dem katholischen Dekan Sigmund Schänzle - Foto: Philipp Friedel

Ökumenischer Gottesdienst auf dem Bussen 30 Jahre nach der Wiedervereinigung.

Den Tag der Deutschen Einheit feierten der evangelische Kirchenbezirk und das katholische Dekanat Biberach in Kooperation mit dem Bündnis für Demokratie und Toleranz im Landkreis Biberach mit einem ökumenischen Gottesdienst auf dem Bussen. Der katholische Dekan Sigmund Schänzle wies darauf hin, dass Einheit ein Wachstumsprozess sei. "Die Einheitseiche auf dem Bussen, die vor 30 Jahren gepflanzt wurde, ist ein Symbol für das Wachsen und Zusammenwachsen in unserem Land", betonte er.

Mit Blick auf den Bekennerbischof Joannes Baptista Sproll, der mutig dem Nationalsozialismus die Stirn bot, gelte es laut Schänzle heute immer noch, "sich für das hohe Gut der Freiheit mit allen Kräften, Talenten und Charismen einzusetzen, um es zu verteidigen und zu bewahren." Sein evangelischer Kollege Matthias Krack ist "dankbar für die vielen Menschen in den ostdeutschen Ländern, die die Freiheit mit ihrem gewaltfreien Engagement erkämpft haben.“

Einheit braucht Geduld

Krack ließ dabei die Zeit um den Mauerfall und die Wiedervereinigung lebendig werden und betonte, dass es wichtig sei, sich immer wieder zu erinnern. „Ich bewundere das Gottvertrauen, die Beharrlichkeit und Zuversicht mit der viele Christen in der DDR bei den Friedensgebeten und später bei den Montagsdemonstrationen für die Freiheit eingetreten sind.“

Der evangelische Dekan gab aber auch zu bedenken, dass sich manche bei der Einheit Deutschlands über den Tisch gezogen fühlten. Grundgesetz, Bundesadler oder Hymne seien auf ganz Deutschland übertragen worden. Das Projekt der deutschen Einheit sei längst nicht abgeschlossen. "Wir brauchen Geduld – Geduld auch im Umgang miteinander“, betonte er. Die Verheißung Jesu im Johannesevangelium "Auf dass sie alle eins seien“ reiche weit über Deutschland hinaus und gelte für die ganze Menschheitsfamilie. "Sie ist uns Zuspruch und Auftrag zugleich", sagte der Theologe.

Werte der Nationalhymne

Bevor im Anschluss an den Gottesdienst die deutsche Nationalhymne gesungen wurde, ging Dekan Schänzle auf die Wichtigkeit die Grundwerte „Einigkeit und Recht und Freiheit“ für die Gesellschaft ein. Einigkeit meine nicht Uniformität, „sie fordert trotz aller Verschiedenheit den Willen einen Konsens zu erlangen.“, so Dekan Schänzle. Und „Recht und Gerechtigkeit sind nicht willkürlich oben herab erstellt worden, sondern sind gemeinschaftlich erarbeitete Schutzpfeiler.“ Die Freiheit bezeichnete der Dekan als „kreative Gestaltungskraft für Einigkeit und Recht.“