Diakonische Kirche: Bündnispartnerin des Grundgesetzes

Durch ihr Wirken „in Verantwortung vor Gott und den Menschen“ und gegenüber der unantastbaren Würde des Menschen werde die Kirche „im besten Sinn zum fundamentalen Bündnispartner des Grundgesetzes unseres Staates“.

Bischof Fürst stellte seine Rede auf dem „Stiftertag“ unter den Leitgedanken einer „missionarisch-diakonischen Kirche“ und zitierte das Zweite Vatikanische Konzil, demzufolge die Kirche „ihrem Wesen nach missionarisch“ sei. Das bedeute, so der Bischof, dass „an den vielen Orten, an denen tagtäglich und ganz konkret diakonisch, dienend und helfend, zum Wohle der Menschen gehandelt wird, die es nötig haben, die gelebte Praxis einer missionarischen Kirche geschieht“. An diesen Orten lege die Kirche „glaubwürdig, anstiftend und mitreißend Zeugnis ab von der Kraft unseres Glaubens, von der weltverändernden Praxis unserer Liebe und von den Zukunft eröffnenden Möglichkeiten unserer Hoffnung“, sagte Bischof Fürst.

„Die sozial-karitative Dimension unserer Kultur“ ist nach den Worten des Bischofs „ohne die kirchliche Tradition nicht vorstellbar“, sie „hat ihren Ursprung im Zentrum der christlichen Botschaft“. Die innere und dann nach außen wirkende Dynamik des Christentums sei von Anfang an darin begründet gewesen, dass die christliche Bewegung im Ursprung diakonisch-caritativ gewesen sei. Dies habe sich durch die Geschichte des Christentums bis heute durchgehalten und werde gerade auch in der Diözese Rottenburg-Stuttgart durch die Gründung karitativer Ordensgemeinschaften und anderer karitativer Organisationen im 19. Jahrhundert deutlich. Daraus ergebe sich ein bleibender Auftrag – „ein Thema, dessen Bedeutung für die Gegenwart und Zukunft unserer Kirche von kaum zu überschätzender Bedeutung ist“, betonte der Bischof und sprach den Verantwortlichen und Mitarbeitenden der karitativen Einrichtungen in der Diözese Dank und „hohe Wertschätzung“ aus.

An den Orten ihrer Tätigkeit werde heilender Beistand leibhaftig erfahren, dort geschehe „Glaubensverkündigung durch kompetentes helfendes, heilsames Lebenszeugnis“, dort werde Kirche glaubwürdig. „Missionarische Kirche“, so Bischof Fürst, „können wir dort besonders sein, wo das persönliche, aber auch das amtlich-organisierte christliche Engagement im Interesse des Nächsten gestärkt wird“. Dieser hohe Anspruch setzt nach den Worten des Bischofs ein „christlich-spirituelles Profil“ der Einrichtungen, der Verantwortlichen und des gesamten Personals voraus. Dies müsse sich auch in der Kultur und der Mitarbeiterführung der Häuser auswirken. Er sei überzeugt, sagte Bischof Fürst, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in kirchlich-karitativen Einrichtungen mit ihrer Arbeit „höhere Ziele verfolgen als ‚nur’ Broterwerb“. Als „psychisches Einkommen“ bezeichnete er die Möglichkeit, bei diesen Aufgaben die persönlichen Werte und den eigenen Glauben lebendig ausdrücken zu können