Dialog auf Augenhöhe

Dies hat der Rottenburger Weihbischof Johannes Kreidler am Montagabend im Münster der Insel Reichenau zum Auftakt der Reichenauer Künstlertage betont. Den Apostel habe der Mut ausgezeichnet, der Bildung und Kultur seiner Zeit selbstbewusst zu begegnen. Sein Beispiel sei geradezu eine „Schule des Dialogs auf Augenhöhe“. Ein solcher Dialog sei um der Wahrheit willen nötig, er ergebe sich „aber auch aus dem allen Menschen eigenen tiefen Wunsch, in Gesprächen und Begegnungen respektvoll als Person ernst genommen und wahrgenommen zu werden“. Ein solches gegenseitiges Verstehen, so Weihbischof Kreidler, sei ein Prozess. Dazu gehöre es, die Betroffenheit und das „existenziell Bedrängende“ des Gegenübers herauszuspüren.

Paulus sei auch ein Meister darin gewesen, sagte der Weihbischof, mit der Pluralität religiöser und philosophischer Ansichten umzugehen. Allerdings bedeute Pluralismus in der Theologie nicht Beliebigkeit. „Kern und Fokus“ sei für sie immer die Wahrheit des christlichen Glaubens. Allerdings müsse man „von jeder guten Theologie“ verlangen können, dass sie „gute Gründe für einen Vollzug religiösen Glaubens und Hoffens“ angebe. Der Pluralismus in der Kunst könne radikaler sein. Doch beanspruche jede Kunst mit Recht auch für sich, dass sie Fragen der Wahrheit verhandle. Die entscheidende Frage, so Weihbischof Kreidler, sei: „Wie gehen wir, nicht zuletzt in der Kommunikation, mit den Fragen der Wahrheit um?“