Die Chance, Lebenssinn zu entdecken

Dies hat der Rottenburger Domkapitular Rudolf Hagmann am Samstag beim traditionellen Pilgertag am Jakobusfest im oberschwäbischen Oberdischingen betont. Pilgern, so Hagmann, sei aber auch Sinnbild für die Kirche, die als „wanderndes Volk Gottes“ auf dem Weg zu ihrer Vollendung in Gott sei. Er sei ein entschiedener Gegner des Satzes: „Der Weg ist das Ziel“, sagte Hagmann. „Das Ziel ist die Fülle des erlösten und befreiten Lebens in Jesus Christus.“ Bis dahin gelte „das Gesetz des Weges, des Suchens und Findens, aber auch des Irrens und Verlierens“. In ihrer irdischen Geschichte seien sowohl der einzelne Mensch als auch die Kirche als ganze unfertig, durch Irrtum, Fehler und Schuld geprägt, in eine oft undurchdringliche Zwiespältigkeit verstrickt. Aber gerade die Hoffnung auf die Vollendung durch Gott erlaube keine Resignation, sondern ermutige dazu, „auch das Unfertige auszuhalten“, sagte Hagmann. Diese Hoffnung sei keine Vertröstung auf eine unerreichbare Zukunft. Auf dem Weg zu sein bedeute auch: „Jedes Wegstück, jede Weggabelung kann zum Kairos werden, zur Chance, Gott zu erfahren und etwas vom Sinn des Lebens zu entdecken.“