Corona

„Die Impfpflicht für alle wird kommen“

Symbolbild: Tim Reckmann/pixelio.de

Der Corona-Krisenmanager des Landes Baden-Württemberg, Uwe Lahl, war zu Gast in der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Die Landesregierung prüft rechtliche Möglichkeiten, die Daten von Ungeimpften zu erfassen. Das kündigte der Corona-Krisenmanager des Landes Baden-Württemberg, Uwe Lahl, bei einer Podiumsdiskussion der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart an.

Die Zeit zum Reden ist abgelaufen. Mit Argumenten allein werde sich die bisher leider hohe Zahl an Ungeimpften in Baden-Württemberg nicht mehr steigern lassen, ist Uwe Lahl, Corona-Krisenmanager im Sozialministerium von Manfred Lucha (Grüne), überzeugt: „Die Impfpflicht für alle wird kommen.“ Die Frage sei nicht ob, sondern wie und wie schnell sie realisiert wird, sagte Lahl vor kurzem bei der Online- Diskussion der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart zum Thema „Impfen: Pflege in der Pflicht?“. Die Epidemiologen des Landes hätten errechnet, dass sich angesichts von rund drei Millionen Ungeimpften im Südwesten eine Durchseuchung noch etwa ein halbes Jahr vielleicht sogar ein ganzes Jahr hinziehen würde. Somit wird es weitere Wellen im nächsten Jahr geben. Dies könne das Gesundheitssystem nicht mehr aushalten. „Wir sind schon im Vorfeld der Triage“, betonte Lahl: „Schon längst bekommen nicht mehr alle Patienten die Versorgung, die sie bekommen müssten.“

In Baden-Württemberg gebe es zu viele impfkritische Gruppen, die die Bekämpfung der Pandemie nicht ernst genug nehmen: Aktuell würden insbesondere viele 30- bis 40-Jährige in Kliniken eingeliefert, „die die Erkrankung so lange leugnen, dass sie es kaum noch ins Krankenhaus schaffen“: „Mir wurde von Fällen berichtet, wo Patienten im Eingangsbereich kollabieren.“ Geprüft werde jetzt, wie eine Impfpflicht durchgeführt werden kann, sagte Lahl vom Sozialministerium. Es sei nun zu klären, ob der Staat Daten über den Impfstatus seiner Bürger erhalten kann.

Auf den Intensivstationen gibt es in der vierten Corona-Welle viele sogenannte „Langlieger“. Das bestätigte auch Andrea Kiefer, Vorsitzende des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe Südwest, bei der digitalen Podiumsdiskussion der Akademie. Diese seien so schwer krank, dass sie die Intensivplätze rund 30 Tage belegen. Auch sie bestätigte die dramatische Lage auf den Intensivstationen. Ein Kraftakt für das Personal: „Wir müssen die Reißleine ziehen.“ Eine Impfpflicht für alle sei sicher der richtige Weg, betonte auch Kiefer: „Durch Debatte um eine Impfpflicht nur für die Pflegerinnen und Pfleger haben sich diese an den Pranger gestellt gefühlt.“ Eine Grauzone sei leider die häusliche 24-Stunden-Pflege, deren Anbieter kaum zu kontrollieren seien. „Wir wissen nicht, wie hoch hier die Impfquote ist“, sagte sie. „Viele ihrer Fachkräfte kommen aus dem Ausland, wenn es überhaupt Fachkräfte sind.“

Elke Eckardt, Geschäftsführerin der Evangelischen Heimstiftung, begrüßt den Vorsatz, eine allgemeine Impfpflicht umzusetzen – „zum Wohle aller unserer Kundinnen und Kunden, aber auch aller Mitarbeitenden“. Von der Landesregierung wünscht Eckardt sich Corona-Verordnungen, die den organisatorischen Aufwand ihrer Umsetzung berücksichtigen. Dass die Einrichtungen jetzt dazu verpflichtet wurden, Besucherinnen und die Besucher, die ohne Test kommen, vor Ort zu testen, sei eine „Zumutung“. „Die Politik schöpft die Druckmittel nicht aus und drückt Verantwortung ab“, sagte sie: „Setzen Sie an dieser Stelle schnellstens 2G um, Herr Lahl.“