Kirchenmusik

Die Region musikalischer gemacht

Applaus für den Jubilar: Pfarrer Thomas Steiger (links), Diözesan-Präses des Cäcilienverbandes, würdigte in seiner Ladatio für Wolfgang Treß dessen Treue und Fähigkeit, andere Menschen für die Kirchenmusik zu begeistern. Bischof Gebhard Fürst hat ihm den Titel "Chordirektor DCV" verliehen. Foto: DRS/Jerabek

Für sein reiches musikalisches Schaffen ist dem Wiblinger Kirchenmusiker Wolfgang Treß der Titel "Chordirektor DCV" verliehen worden.

Fünfzig Jahre Chorleiter, 63 Jahre Organist – zwei Zahlen aus der Vita von Wolfgang Treß – „erzählen von einem Leben, das von Treue geprägt ist und von der Fähigkeit, andere Menschen zu begeistern“, sagte Pfarrer Thomas Steiger, Diözesan-Präses des Cäcilienverbandes, dem Dachverband der Kirchenmusik, beim festlichen Gottesdienst in der Wiblinger Basilika. Treue bedeute, „dass man bereit ist, von sich etwas zu schenken“, dass man auch mal ein Auge zudrücke und nicht kleinlich sei, sondern mit Geduld bei der Sache bleibe. „Begeisterung erzählt davon, dass Gedanken von Menschen sich begegnen, die Herzen sich berühren. Es scheint so, Herr Treß, als ob Gott diese beiden großen Stärken in Sie gelegt hätte“, sagte Steiger, der das Ernennungsschreiben von Bischof Dr. Gebhard Fürst verlas und überreichte.

Stichwort: Chordirektor DCV

Chordirektor des Diözesan-Cäcilienverbandes (DCV) ist ein Titel, den der Bischof an Chorleiter oder Chorleiterinnen, die im kirchenmusikalischen Dienst einer Kirchengemeinde stehen und sich in besonderer Weise um das kirchliche Chorwesen verdient gemacht haben, verleiht. Die Verleihung kann unter anderem von einer Kirchengemeinde auf Beschluss des Kirchengemeinderates beantragt werden.

Mit 17 Jahren hat Wolfgang Treß zunächst als Organist seinen kirchenmusikalischen Dienst begonnen. 1971 übernahm er in der Nachfolge seines Vaters, Gebhard Treß, die Leitung des Basilikachores. Bereits im folgenden Jahr hob er die inzwischen sehr beliebte Reihe der „Wiblinger Kirchenkonzerte“ mit dem Basilikachor, Solisten und Orchestermusikern aus der Taufe. In den bislang 56 Konzerten dieser Reihe erklang eine Vielzahl an großen Oratorien, Kantaten und Messen. Seit 1976 leitet Treß das traditionelle „Wiblinger Adventssingen“ mit jährlich über 1000 Zuhörern aus der ganzen Region. Bis heute gestaltet er jeden Monat etwa 20 Gottesdienste an der Orgel.

Als Organist einen Namen gemacht

Wenn die Corona-Auflagen es zulassen, gestaltet der Basilikachor mindestens einmal im Monat den Gottesdienst mit. Darüber hinaus hat Wolfgang Treß sich als konzertierender Organist einen Namen gemacht, so zum Beispiel durch die wöchentlichen Mittagsmusiken im Ulmer Münster.

Die Frage „Wie lebe ich so, dass es auch anderen etwas bringt?“ sei eine immens religiöse Frage, „es ist eigentlich die Frage des christlichen Glaubens“, sagte Pfarrer Steiger in seiner Predigt. Wolfgang Treß habe diese Frage hauptsächlich durch die Musik beantwortet, durch sein Orgelspiel, durch sein Dirigat bei den Chören, in Konzerten, vor allem auch in der Liturgie.

Musik intensiver erlebt

Zum 80. Geburtstag, den Wolfgang Treß vor wenigen Tagen beging, und zur Verleihung des Titels „Chordirektor DCV“ überbrachten der gewählte Vorsitzende Klaus Ungerer und die gewählte stellvertretende Vorsitzende Kristina Altstadt die Glückwünsche des Kirchengemeinderats von St. Martin. „In diesen Jahrzehnten Ihres Dienstes haben Sie ungezählte Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf ihrem Weg in der Kirchengemeinde begleitet – als Sänger und Sängerinnen, Musiker, Ministrantinnen, aber auch als Schafe, Hirten, Engel oder als Maria und Josef in ganz vielen Krippenspielen“, sagte Ungerer.

Kristina Altstadt überreichte zur Erinnerung eine Collage mit Bildern des Kirchenchores, der Konzerte, Sängerinnen und Musiker der letzten Jahrzehnte in der Basilika und schloss in den Dank auch den Kirchenchor und die Kirchenmusiker mit ein. Wolfgang Treß habe die Gemeinde, ganz Wiblingen, aber auch die Region musikalischer gemacht. „Viele von uns erleben die Musik intensiver und nachhaltiger, weil sie selbst musizieren oder Musik live erleben dürfen“, sagte Klaus Ungerer.

Eine Ehrenpatenschaft

Für Pfarrer Ulrich Kloos ist der 80. Geburtstag des verdienten Kirchenmusikers nur der Beginn eines Jahres voller Highlights, in dem die Basilika nicht nur ihren ersten Chordirektor bekommen habe, sondern in dem die erste Hauptorgel dieses Gotteshauses eingeweiht werde, die Wolfgang Treß dann werde spielen dürfen. Als besonderes Geschenk der Kirchengemeinde überreichte ihm Kloos die Ehrenpatenschaft für das tiefe C, die größte Prospektpfeife der Hauptorgel.