Die Spuren reichen bis nach Tübingen

Mit der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist sie zum einen durch ihre Zusammenarbeit mit dem aus Tübingen stammenden Priester Carlo Steeb (1773 – 1856) verbunden, zum anderen dadurch, dass heute auch eine Gemeinschaft der von ihr gegründeten „Sorelle della Misericordia di Verona“, der Schwestern der Barmherzigkeit von Verona, in Tübingen tätig ist. Direkt neben der Kirche St. Petrus in Tübingen-Lustnau haben die Schwestern im Jahr 1956 das Luise-Poloni-Altenheim gegründet, in der Tübinger St.-Michaels Gemeinde steht ihr Name für eine innovative und zukunftsweisende frühkindliche Pädagogik.

„Es ist auch für die Diözese Rottenburg-Stuttgart eine große Freude, dass Schwester Vincenza Maria Poloni, deren caritatives Wirken bis zu uns seine Spuren erkennen lässt, auf diese Weise als herausragende Gestalt der Kirche gewürdigt wird“, sagte Weihbischof Thomas Maria Renz, der Bischof Gebhard Fürst und die Diözese Rottenburg-Stuttgart bei den Feierlichkeiten in Verona gemeinsam mit einer Abordnung aus Tübingen vertreten wird.

Luigia Poloni ist am 26. Januar 1802 als jüngstes von 12 Geschwistern in Verona geboren und dort aufgewachsen. Bereits in ihrer Jugend zeichnete sie sich durch außergewöhnliches caritatives Engagement aus. In ihrer Familie pflegte sie u. a. ihre nahezu blinde Schwägerin; in ihrer Pfarrei war sie vor allem in einem Hospiz tätig. Als sie während einer Cholera-Epidemie im Jahr 1836 in einem zum Lazarett umfunktionierten Trakt des Hospizes den Priester Carlo Steeb als Helferin unterstützte, ermunterte dieser sie, eine Gemeinschaft der „Schwestern der Barmherzigkeit“ zu gründen. Carlo Steeb forderte sie auch auf, sich im Jahr 1840 um die frei gewordene Stelle der Leiterin des Hospizes zu bewerben.

Am 2. November 1840 nahm in der Kirche Santa Caterina und im angrenzenden Armenhaus die Kongregation der „Schwestern der Barmherzigkeit“ ihren Anfang. Nach anfänglich großen Schwierigkeiten konnten die Schwestern bald durch ihren Dienst überzeugen. Zeitgenössischen Berichten zufolge fassten die Kranken und die Waisen in dem Haus rasch Vertrauen. Auch die Wohlfahrtskommission und der Inspektor anerkannten den lobenswerten Stand der Frauenabteilung sowie die gute Pflege und Versorgung der Kranken.

Im Jahr 1847 wurden Luigia Poloni Leiterin des gesamten Hospizes, was bis dahin nur Adeligen vorbehalten war. Die offizielle Anerkennung des Ordens, der die Regel des Vinzenz von Paul übernommen hatte, erfolgte am 28. Dezember 1847 durch ein Dekret Kaiser Ferdinands von Österreich. Am 10. September 1848 legten Luigia Poloni, die sich jetzt als Ordensfrau Schwester Maria Vincenza nannte, gemeinsam mit den ersten 13 Frauen der „Sorelle della Misericordia“ die Ordensgelübde ab.

Während sich der Orden nach seiner Anerkennung rasch ausbreitete und weitere Niederlassungen gründete, rieben sich Maria Vincenzas Kräfte bei der Vielfalt der Aufgaben zunehmend auf. Zeitgenössische Zeugnisse würdigen ihre Einfachheit und Demut, aber auch ihre Entschlossenheit, praktische Klugheit und tiefe Weisheit. Am 11. November 1855 starb Maria Vincenza Poloni an den Folgen einer Krebserkrankung. „Als letzten Willen meiner Zuneigung“, so hinterließ sie ihren Schwestern im Orden, „empfehle ich euch nur ein einziges, die Caritas.“ Der Chefarzt, sie behandelt hatte, notierte: „Ihr Leben war nichts anderes als das in die Tat umgesetzte Evangelium.“ Maria Vincenza Poloni ist im Gemeinschaftsgrab der Schwestern in Verona beigesetzt.