Die Zukunft gehört den sozialen Netzwerken

Am Tuttlinger Regionalen Bündnis für Arbeit sind Firmen, Landkreis, Kommunen, Kirchen, DGB, IHK, Handwerkerschaft, soziale Einrichtungen, Bildungsträger, Beschäftigungsinitiativen und Einzelpersonen beteiligt. Ihnen bescheinigte Drumm, ihre Tätigkeit sei Zukunftsarbeit und Arbeit für den sozialen Frieden.

In absehbarer Zeit werde die Erwerbsarbeit die existenzielle Grundlage für die Sicherung des Lebensunterhalts, die soziale Integration und die persönliche Entfaltung des Einzelnen bleiben, sagte Drumm. Auch werde die Arbeit trotz zunehmender Technisierung und Automatisierung nicht ausgehen, denn Arbeit sei ein dynamischer Prozess, der wiederum Arbeit erzeuge. Dennoch zeichneten sich gravierende Veränderungen ab. So werde besonders die Bedeutung von Bildung und Wissen für die Arbeitswelt der Zukunft immer mehr Gewicht bekommen. Deshalb bereitete die große Zahl von Schulabbrechern und Geringqualifizierten enorme Sorgen. Hier ticke eine Zeitbombe für den sozialen Frieden. Dazu komme, dass normale Arbeitsverhältnisse immer weniger würden. Durch diese „Prekarisierung“ werde die soziale Absicherung des Einzelnen brüchiger. „Wir gehen einem neuen Tagelöhnertum entgegen“, stellte Drumm fest. Die Grenzen zwischen Berufswelt, Freizeit, Familienleben und zivilgesellschaftlichem Engagement würden fließender, führte der Referent seine Feststellungen fort. Diese Flexibilisierung biete durchaus Chancen – so etwa für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dass das Individuum dabei immer mehr zum Gestalter seiner eigenen Arbeitswelt werde, wirke sich in neuen Formen der Zusammenarbeit aus, besonders in einer zunehmenden Strukturierung der Arbeitswelt in Netzwerken.

Die zentrale Hypothese im Hinblick auf die mehr und mehr verschwimmenden Grenzen zwischen Erwerbsarbeit und Bürgerarbeit, Arbeitswelt und Zivilgesellschaft fasste Drumm in der Formel zusammen: „Von der Institution zur Person“. Knotenpunkte künftiger Netzwerke seien künftig mehr und mehr Personen und weniger Institutionen und Organisationen. Institutionellen Netzwerken käme zunehmend die Aufgabe zu, personale Netzwerke zu unterstützen. Der zunehmende Netzwerkcharakter der Arbeitswelt sei zwiespältig, räumte Drumm ein. Gewinner dieser Entwicklung seien gut Ausgebildete und selbstständig agierende Personen, während andere weiterhin an „Bänder, Maschinen, Kassen und Counter geheftet“ seien. Dennoch müsse die Chance betont werden, Leben und Arbeit integrierter gestalten zu können

Das Unbehagen über die Ungleichheiten in der Gesellschaft berge Entwicklungschancen und fordere eine Vision von der Zukunft, betonte Drumm. Eine solche Vision für die Zukunft fehle in der Gesellschaft. Christen als Netzwerkpartner seien hier gefordert, denn der christliche Glaube bedeute eine gerechte und friedvolle Welt, in der Platz für alle sei. Diese Welt atme „den Geist der Freiheit Gottes“. Auf diese Hoffnung zu setzen, die überall dort eingelöst werde, wo Menschen sich für Gerechtigkeit, Freiheit und eine lebenswerte Schöpfung einsetzten, sei „Wachstum im christlichen Sinn“, so Joachim Drumm.