„Dienst an der intellektuellen Diakonie unserer Kirche“

Mit seinem Dienst habe dieser sich „in eine Linie der besten und unverwechselbaren Traditionen unserer Diözese“ gestellt, betonte Bischof Gebhard Fürst bei der Verabschiedung Kustermanns, der ihm selbst als Direktor der Akademie nachgefolgt war, im September 2000 zunächst kommissarisch, ab 1. August 2001 dann offiziell. Kustermann habe dieses Amt mit stetig erweiterten Aufgaben und Verantwortungsbereichen „zuverlässig, engagiert, kompetent und menschenfreundlich“ ausgeübt, würdigte ihn Bischof Fürst. Das „ambitionierte und herausragende Selbstverständnis“, eine Stätte des Dialogs zu sein, welches das Profil der Akademie ausmache und sie zu einer „Akademie erster Klasse in der Landschaft der katholischen Akademien“ mache, habe Kustermann auch unter sich verändernden Bedingungen eingelöst und „zukunftsfähig“ gemacht. Die Entwicklungen in der Zeit von Kustermanns Tätigkeit seien dadurch gekennzeichnet, dass die Frage nach der Wahrheit „eher ausgeklammert“ und der lebendige Austausch und die argumentative Auseinandersetzung zunehmend „mit der Einrichtung von Parallel- und Sonderwelten“ verwechselt würden, „die in nicht mehr miteinander kommunikationsfähigen Sonderrealitäten“ lebten. Kustermann, so der Bischof, habe sich jedoch dem Diktat der Beliebigkeit nie gebeugt, sondern „die christlichen Grundüberzeugungen und die Wertorientierung christlichen Glaubens in einer kommunikationsfähigen Sprache in die Dialoge“ eingebracht, damit sie dort ihre Wirkung entfalten konnten. Ohne „institutionellen Nachdruck“ sei dies geschehen, wohl aber in dem Vertrauen, dass die Wahrheit „die ihr eigene Majestät selbst zur Sprache“ bringe. Der scheidende Akademiedirektor habe die Herausforderungen entschlossen, aber auch mit „nachdenklicher Weitsicht“ angenommen und „sinnvoll, strategisch klug und innovativ“ reagiert. Modische Anbiederung an die öffentliche Resonanz oder an vorschnellen Beifall sei dabei nie seine Sache gewesen.

Der am 15. September 1944 in Rottweil geborene Kustermann hatte Philosophie, Psychologie und Soziologie studiert, bevor 1967 in Tübingen das Theologiestudium aufnahm. „Bemerkenswerter Weise“, so erwähnte Bischof Fürst, sei er als erster Katholik „Ökumenischer Gaststipendiat“ am Tübinger Evangelischen Stift gewesen. Seine theologische Promotion legte Kustermann 1988 im Fach Fundamentaltheologie ab. Am 14. September 1987 wurde er an der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart als Referent für „Theologie, Kirche, Religion“ eingestellt. Sein weites Themenspektrum reiche bis heute vom Interreligiösen Dialog zwischen Christentum, Judentum und Islam über die Ökumenische Theologie, über Kirchenrecht, Staatskirchenrecht und Staatliches Religionsrecht bis zur Theologiegeschichte und zur Historischen Theologie, betonte der Bischof. An „Großprojekten“ unter der Akademieleitung Kustermanns nannte Bischof Fürst neben umfangreichen Umbau- und Sanierungsarbeiten u. a. das Thema „Zwangsarbeit in der Kirche“ oder die Fokussierung des Referats „Theologie und Naturwissenschaft“ auf „weltanschauliche Reizthemen“ wie den Neo-Kreationismus oder den naturalistischen Atheismus. Ökumenische Grundlagenarbeit sei ihm stets ein besonderes Anliegen gewesen, und entsprechend kollegial sei seine Verbindung zur Evangelischen Akademie Bad Boll. In guter Kooperation mit den russischen Partnern habe er den Aleksandr-Men-Preis der Akademie für die interkulturelle Vermittlung zwischen Russland und Westeuropa kontinuierlich etabliert.

Die Theologie des Konzils und die frühen Jahre der konziliaren Prägung der Kirche habe sein Denken und Arbeiten immer bestimmt, betonte Abraham Kustermann in seinem Dankeswort. Er habe sein Amt stets als Dienst verstanden, aber es sei ihm aber auch darum gegangen als freier Mensch aufrecht zu stehen.

Nachfolgerin von Abraham P. Kustermann in der Leitung der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart wird Verena Wodtke-Werner, derzeit Leiterin der Katholischen Erwachsenenbildung der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Sie wird am 27. Oktober in Stuttgart-Hohenheim in ihr neues Amt eingeführt.