Domkapitular Hubert Bour über den christlich-islamischen Dialog

Nur so, sagte Bour, könne „das Verhältnis beider Religionen ein solides Fundament erhalten, das von gegenseitiger Achtung bestimmt ist, ohne dass die eine oder die andere Religion auf ihre Identität verzichtet“. Interreligiöser Dialog zeichne sich durch Toleranz, nicht durch Profillosigkeit aus. Zum Dialog gebe es keine Alternative, betonte Bour, „auch wenn er manchmal sehr mühsam ist oder aus politischen Gründen praktisch unmöglich scheint“. Doch sei „jedes Mal, wenn ein Christ einem Menschen anderen Glaubens begegnet, Dialog in irgendeiner Form möglich“, sagte der Domkapitular.

Bour zeigte drei „Grundtypen“ des interreligiösen Dialogs auf. Einen „Dialog des Lebens“ könne jeder in seinem alltäglichen Leben praktizieren, der mit Gläubigen anderer Religionen zu tun habe und offen für ihre Belange und Anliegen sei. In einem „Dialog des Handelns“, für den es international Beispiele gebe, stehe die praktische Zusammenarbeit im Vordergund, so etwa, wenn sich Christen und Muslime gemeinsam für Gerechtigkeit, Freiheit und Menschenwürde einsetzten. In einem „theologischen Dialog“ schließlich gehe es um den Austausch christlicher und islamischer Experten über ihren jeweiligen Glauben und ihr religiöses Erbe, in dem jeder bestrebt sei, die Religion des anderen „von innen her zu verstehen und schätzen zu lernen“, erklärte Bour.

In einem kurzen Gang durch die Geschichte wies der Rottenburger Theologe darauf hin, dass die Sicht des Islam in der christlichen Theologie bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein „stark von Elementen anti-islamischer Polemik geprägt“ gewesen sei und der Islam anfänglich als christliche Irrlehre gegolten habe. Als ein „Ereignis von herausragender Bedeutung“ für das Verhältnis von Christentum und Islam bewertete Bour das Zweite Vatikanische Konzil, besonders die Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen („Nostra aetate“), die er als „lehramtliche Basis für das neue Verhältnis von Christentum und Islam“ bezeichnete. Darin würden die gemeinsamen Elemente betont, vor allem der Glaube an Gott, allerdings auch der grundlegende Unterschied in der Sicht Jesu Christi.

Außerdem fordere der Konzilstext zum gegenseitigen Verstehen sowie zur Zusammenarbeit im Dienste der Gerechtigkeit und des Friedens auf. Papst Paul VI. und Papst Johannes Paul II. hätten diese Aussagen in einer Weise weitergeführt, „die auf jeden Fall keinen Raum lässt für restriktive Interpretationen“, stellt der Referent fest. Besonders Papst Johannes Paul II. habe die Notwendigkeit eines Dialogs betont, der nicht auf Taktik und Eigeninteresse beruhe, sondern „eine Würde eigener Art“ besitze. Dieser Dialog sei geprägt von tiefem Respekt vor allem, was der Geist Gottes in Menschen bewirke. Die Ernsthaftigkeit dieses Anliegens zeige sich, so Bour, in der Gründung eines „Päpstlichen Rats für den interreligiösen Dialog“, der jetzt sogar den Rang einer Kongregation, also einer Art Ministerium im Vatikan, erhalten habe.