Durch die Orgel erhält die Seele Nahrung

Keinen Geringeren als den Philosophen Johann Gottfried Herder berief Bischof Gebhard Fürst mit diesem Zitat zum Zeugen für die Bedeutung einer Orgel, als er am Samstagabend die neue Chororgel des Rottenburger St..-Martins-Doms einweihte. Das von Domorganist Wolfram Rehfeldt konzipierte und von der Dillinger Orgelbaufirma Sandtner gebaute Instrument wird künftig die Chöre der Rottenburger Domsingschule und den Gemeindegesang der Domgemeinde begleiten und zu der kirchenmusikalischen Kultur der Bischofsstadt einen wichtigen Beitrag leisten.

Orgeln seien dazu dazu, sagte Bischof Fürst, „dass unsere Seele Nahrung erhält, damit wir immer neu gestimmt werden, orientiert auf Gott, den Schöpfer und Erhalter unserer Welt, damit wir ausgerichtet werden auf das Lob Gottes.“ Kirchenmusik sei kein Beiwerk der Liturgie, sondern sei selbst Vollzug von Liturgie, betonte der Bischof; sie sei „eine wichtige Weise der Teilnahme am gottesdienstlichen Geschehen“. Der Orgel komme dabei eine besondere Rolle zu, nicht umsonst werde sie die „Königin der Instrumente“ genannt. Die Vielfalt ihrer Klangfarben erhebe sie über alle anderen Instrumente. Orgelspiel sei „mehr als die Inbetriebnahme einer komplizierten Maschine“. In der Vielfalt ihrer Ausdrucksmöglichkeiten sei die Orgel selbst ein Gleichnis für „die Vielfalt unseres Lebens und unserer Persönlichkeiten“. Von Lobliedern bis hin zu Klageliedern bringe sie alle Bereiche menschlichen Seins zum Klingen, sagte Bischof Fürst. Und wie alle gute Musik weise sie „über das Menschliche hinaus auf das Göttliche hin“. Im „Überschwang ihrer Register“, im Zusammenklingen vieler Instrumente in einem Instrument sei sie „Echo und Gleichnis für das heilsame Handeln Gottes“, ja die Orgel sei „das Tor ins helle Licht der Liebe Gottes“, betonte der Rottenburger Bischof.

Mit der neuen Chororgel des Rottenburger Doms wurde ein Instrument geschaffen, das den besonderen musikalischen Ansprüchen der Rottenburger Domsingschule gerecht wird. Mit ihren rund 500 Mitgliedern ist sie die größte kirchenmusikalische Institution dieser Art in Deutschland. Das Programm ihrer verschiedenen Einzelchöre umfasst das ganze Spektrum der Musikgeschichte bis zur Gegenwart. Durch ein Schwellwerk wird erreicht, dass das vergleichsweise kleine Werk mit 12 Registern die Vielfalt der erforderlichen Klangfarben darstellen und zugleich ein Klangvolumen entfaltet kann, das den Gemeindegesang trägt. Von dem mobilen Spieltisch aus kann auch die Hauptorgel des Doms bespielt werden. Dies konnte Domorganist Rehfeldt demonstrieren, als er am Schluss des Weihegottesdienstes seine Komposition „Konzertante Festmusik für 2 Orgeln“ zur Uraufführung brachte.

Der Weihegottesdienst im Rahmen der diözesanen „Tage der Orgelmusik“ wurde musikalisch von der Mädchenkantorei des Rottenburger Domes und den Rottenburger Domsingknaben sowie von Domorganist Prof. Rehfeldt und Domkantor Bernhard Kugler an den Orgeln gestaltet. Die musikalische Gesamtleitung hatte Domkapellmeister Prof. Frank Leenen.