Durch Geschichte und Musik verbunden

Der Abt der Prämonstratenser-Abtei St. Johann in Duisburg-Hamborn, Prälat Albert Thomas Dölken (48), hat am Montagnachmittag die Diözesanbibliothek Rottenburg und den für Kirchenmusik in der Diözese Rottenburg-Stuttgart zuständigen Weihbischof Johannes Kreidler besucht. Begleitet wurde er vom Kantor der Abteikirche, Peter Bartetzky. Die Geschichte verbindet das niederrheinische Kloster mit der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Im Jahr 1959 ist das alte Prämonstratenser-Kloster Hamborn von Ordenleuten aus dem oberschwäbischen Rot an der Rot wieder besiedelt worden.

Im Bereich der heutigen Diözese Rottenburg-Stuttgart liegen außer Rot an der Rot auch einige andere bekannte ehemalige Prämonstratenser-Abteien, so etwa Obermarchtal, Zwiefalten oder Weißenau. In diesen Klöstern wurde in der Barockzeit, vor ihrer Auflösung in der Säkularisation, ein reichhaltiges Musikleben gepflegt.

Zu den bekanntesten Komponisten der barocken Prämonstratenser-Klöster gehörte der Abt Nikolaus Betscher (1745-1811) in Rot an der Rot. Zahlreiche vor allem geistliche Kompositionen Betschers und anderer Ordensgeistlicher aus oberschwäbischen Klöstern sind noch erhalten. Sie wurden von dem Tübinger Musikwissenschaftler Alexander Šumski in jahrzehntelanger Forschungsarbeit wiederentdeckt, gesammelt und für die Aufführung bearbeitet. Nach seiner Emeritierung hat Professor Šumski sie der Rottenburger Diözesanbibliothek zur Verfügung gestellt. Dort soll die oberschwäbische Klostermusik künftig für Aufführungszwecke, aber auch für die musikwissenschaftliche Forschung zugänglich gemacht werden.

Abt Dölken aus Duisburg-Hamborn und der Kantor seiner Abteikirche Bartetzky planen, auch in der dortigen Prämonstratenser-Abtei Werke der oberschwäbischen Patres wieder zur Aufführung zu bringen. Zum anderen sollen mit Hilfe einer durch den Abt initiierten Nikolaus-Betscher-Stiftung auf internationaler Ebene die Choralmusik und die Kompositionen aus dem Prämonstratenser-Orden seit dessen Gründung im Jahr 1120 gesammelt, dokumentiert und in ihrer historischen Bedeutung erforscht und dargestellt werden. Der Besuch des Abtes in Rottenburg ist ein Baustein in diesem Großprojekt und der erste Schritt zu einer sicher langfristigen Kooperation.

Foto: v. l. Prof. Alexander Šumski, Georg Ott-Stelzner, Leiter der Diözesanbibliothek, Weihbischof Dr. Johannes Kreidler, Abt Albert Thomas Dölken, Regionalkantor Peter Bartetzky (Foto: Broch)