Ein „Diener des Schalom“

Der im indischen Pune lebende Religionswissenschaftler, der auch häufig an der Tübinger Katholisch-Theologischen Fakultät Vorträge hält, beging am Dienstag, 30. November, im Rahmen eines internationalen Symposions zum interreligiösen Dialog in Goa (Indien) seinen 75. Geburtstag.

In einem von Pressesprecher Thomas Broch in Goa vorgetragenen Grußwort des Bischofs würdigte dieser das jahrzehntelange Bemühen Francis D’Sas um die Verständigung zwischen den großen Religionen. Dies sei kein akademischer Diskurs, so Bischof Fürst, sondern ein Dienst, auf den die Menschen existenziell angewiesen seien. Ohne Frieden zwischen den Religionen gebe es auch keinen Frieden zwischen Nationen und Kulturen. Wenn die Weltreligionen sich darum bemühten, das Gemeinsame und Verbindende herauszuarbeiten, könnten sie auf ihre Weise einen Prozess der geistigen Globalisierung als Gegenmodell zu einer Globalisierung fördern, in der ausschließlich die Gesetze der Wirtschaft und der Finanzen im Vordergrund stünden, betonte Bischof Fürst.

Bischof Gebhard Fürst, der Professor D’Sa im Januar 2010 bei einem Besuch in Pune persönlich kennen gelernt hatte, bescheinigte diesem, er zeichne sich durch Demut, Beharrlichkeit, Geduld und gleichermaßen durch Ungeduld aus. Ungeduld sei notwendig, wenn Selbstsicherheit zur Grabesruhe werde. Sie sei auch deshalb angebracht, weil der Weg der interreligiösen Verständigung noch kaum richtig begonnen habe. Mit seinen Bemühungen motiviere und inspiriere Francis D’Sa viele Wissenschaftler und Religionsvertreter weltweit, diesen Weg zu gehen.

Auf dem Symposion zum interreligiösen Dialog in Goa, zu dem von 28. November bis 1. Dezember rund 50 Wissenschaftler aus aller Welt angereist waren, ging es u. a. darum, die ethischen Potenziale der Religionen herauszuarbeiten, durch die ein gemeinsamer Kampf gegen Unterdrückung, Diskriminierung und soziale Ungerechtigkeit begründet werden kann. Im Fokus stand auch die Gewalt gegen Frauen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren weitgehend Autoren einer deutschen und einer indischen Festschrift zu Ehren Francis D’Sas, die der Tübinger Dogmatikprofessor Bernd Jochen Hilberath gemeinsam mit Clemens Mendonca, der Direktorin des „Institute for the Study of Religion" in Pune, herausgegeben hat und die in einem Festakt in Goa überreicht wurde.

Uwe Renz