Ein Geburtstag der Ökumene

Kardinal Kasper rief die Gläubigen auf, einander das Schöne an ihren Konfessionen zu zeigen. Mit einem Empfang im Neuen Schloss würdigte das Land Baden-Württemberg denehemaligen Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und den früheren Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Auch drei Jahre nach seinem Rücktritt als Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen bleibt die Ökumene die Triebkraft Kardinal Walter Kaspers. In seiner Predigt im ökumenischen Gottesdienst anlässlich seines 80. Geburtstags in der Stuttgarter Domkirche St. Eberhard nannte er sie eine „heilige Verpflichtung“. Trennungen in der Kirche „sind Ungehorsam gegen den Willen Jesu, und sie schaden dem Auftrag das Evangelium in aller Welt zu bezeugen“, so der Kardinal. Die Einheit, die Jesus für seine Kirche gewollt habe, sei „keine Uniformität, sondern eine Einheit in der Vielfalt“. Die Christen sollten einander zeigen, was schön sei an ihrer jeweiligen Tradition. Kasper rief die Gläubigen auf, bei sich selbst mit der Ökumene anzufangen. Die Welt brauche „keine Jammerlappen, die ein Gesicht machen wie saure Milch, sondern ökumenische Christen, deren fröhliche Hoffnung ansteckend ist“. Im Gottesdienst wirkten Bischof Gebhard Fürst als Gastgeber und der evangelische Landesbischof Frank Otfried July mit. Der griechisch-orthodoxe Bischof Vasilios von Aristi und der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck Martin Hein als Vertreter des Ökumenischen Rats der Kirchen sprachen gemeinsam mit Kardinal Kasper ein Gebet für die Einheit der Christen. Mit Musik von Gioachino Rossini setzte Domkapellmeister Martin Dücker einen „weltoffenen, fröhlichen, vitalen Akzent“. Unter seiner Leitung sang der Konzertchor der Mädchenkantorei an der Domkirche St. Eberhard die drei Chöre für Frauenstimmen „Glaube, Hoffnung, Liebe“ (La foi, L’espérence, La charité) aus dem Spätwerk Rossinis. Bettina Anderle am Klavier und Tabea Schmidt mit ihrem Sopransolo sowie Domorganist Johannes Mayr unterstrichen den feierlichen Charakter des ökumenischen Gottesdienstes.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann lud nach dem Gottesdienst zu einem Empfang ins Neue Schloss ein. „Kardinal Kasper hat sich als Wissenschaftler und Autor zahlreicher Publikationen, als Bischof und Kardinal mit großem Engagement für das gute Miteinander katholischer und evangelischer Christen und die Ökumene eingesetzt. Stets am Puls der Zeit, hatte er den Mut, zentrale Themen der Theologie aufzugreifen und neu auszulegen“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann. „Es ist mein Wunsch, dass ihm mit Gottes Hilfe Gesundheit, Lebensfreude und Schaffenskraft noch lange erhalten bleiben“, wünschte er dem in Heidenheim an der Brenz gebürtigen und in Wangen im Allgäu aufgewachsenen Walter Kasper.

Zahlreiche Weggefährten aus seiner Zeit als Theologieprofessor in Münster (1964 – 1970) und Tübingen (1970 – 1989) und als Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart (1989 – 1999), darunter der frühere Ministerpräsident Lothar Späth, fünf ehemalige evangelische Landesbischöfe aus Württemberg, Baden und Bayern sowie der ehemalige Bürgermeister der Stadt Stuttgart Wolfgang Schuster, gratulierten dem Kardinal, dessen Geburtstag bereits am 5. März war. Das ursprünglich am 7. März geplante Fest in Stuttgart hatte wegen der Vorbereitung der Papstwahl verschoben werden müssen. Bürgermeister Martin Schairer überbrachte die Glückwünsche der Stadt Stuttgart. Die Landräte von Tübingen und Ravensburg, Joachim Walter und Kurt Widmaier, sowie die Oberbürgermeister der Bischofsstadt Rottenburg und der Heimatstadt Kaspers Wangen im Allgäu, Stephan Neher und Michael Lang, waren ebenso unter den Gästen wie die Herzöge Carl und Friedrich von Württemberg. Bischof Gebhard Fürst, der dem Kardinal in Erinnerung an den Diözesanpatron drei Martinus-Medaillen zum Geschenk machte, bezeichnete die Gästeliste als ein „sprechendes Zeichen“ für die vielfältigen Beziehungen Kardinal Kaspers. „Wir sind gewissermaßen ein großer, bunter Geburtstagsstrauß voller Wertschätzung und Respekt vor Ihrer Person und Lebensleistung“, betonte der Bischof.

Priesterratssprecher Herbert Schmucker wies in seinem Grußwort darauf hin, dass der Kardinal auch im Ruhestand Einfluss selbst auf den Papst habe. Papst Franziskus hatte in seinem ersten Angelusgebet Kaspers neues Buch „Barmherzigkeit“ ausdrücklich gelobt. Schmucker erinnerte daran, dass Walter Kasper als Theologieprofessor viele Priester, Pastoralreferenten und Religionslehrer nicht nur in der Diözese Rottenburg-Stuttgart theologisch geprägt habe. Er kennzeichnete Kasper als „Glaubenszeuge und -vermittler“. Kirchlichkeit, Wissenschaftlichkeit und Offenheit für die Zeichen und Probleme der Zeit seien dabei Kaspers Grundmerkmale. „Ihnen war und ist die Vermittlung zwischen diesen drei Dimensionen wichtig. Dabei erteilen Sie allen Extremen nach verschiedenen Seiten eine Absage“, sagte Schmucker dem Kardinal.


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Walter Kasper wurde am 5. März 1933 in Heidenheim a. d. Brenz geboren. Nach dem Studium der Theologie und Philosophie in Tübingen und München empfing er am 6. April 1957 in Rottenburg die Priesterweihe. 1961 promovierte er.
Nach seiner 1964 abgeschlossenen Habilitation übernahm Kasper eine Professur für Dogmatik an der Universität Münster. 1970 bis 1989 lehrte er als Dogmatikprofessor an der Katholisch-theologischen Fakultät der Eberhard-Karls-Universität Tübingen.
Als Nachfolger von Bischof Georg Moser wurde Walter Kasper im April 1989 vom Rottenburger Domkapitel zum Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart gewählt und am 17. Juni 1989 geweiht. In der Deutschen Bischofskonferenz war Kasper Vorsitzender der Kommission Weltkirche und Stellvertretender Vorsitzender der Glaubenskommission.
1999 ernannte Papst Johannes Paul II. ihn zum Sekretär des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, weswegen er zum 31. Mai als Diözesanbischof zurücktrat. Am 21. Februar 2001 verlieh Johannes Paul II. dem Rottenburger Bischof die Kardinalswürde (Ernennung zum Kardinaldiakon von Ognissanti in Via Appia Nuova). Am 3. März ernannte Johannes Paul II. ihn zum Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. 2005 wurde er von der Bischofssynode in den Ständigen Rat der Synode gewählt.
Am 1. Juli 2010 nahm Papst Benedikt XVI. den Rücktritt von Walter Kardinal Kasper als Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen an. Nachfolger Kardinal Kaspers ist der Baseler Bischof Dr. Kurt Koch. 2011 erhielt Kasper den Titel eines Kardinalspriesters. Bis zur Vollendung seines 80. Lebensjahres war Kardinal Kasper Mitglied der Glaubenskongregation, der Kongregation für die Orientalischen Kirchen, der Apostolischen Signatur, des Päpstlichen Rates für die Auslegung der Gesetzestexte, des Päpstlichen Rates für die Kultur und des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. Da sein 80. Geburtstag nach dem Beginn der Sedisvakanz am 28. Februar 2013 lag, konnte er noch am Konklave zur Papstwahl teilnehmen.