Persönliches

Ein geistlicher Hausarzt

Ein gutes Wort und die Sakramente - Beichte, Eucharistie und Krankensalbung - sind geistliche "Medizin", die Menschen heute brauchen, sagt Pfarrer Dietrich Omonsky. Foto: DRS/Jerabek

Treue ist ein wichtiges Stichwort für Dietrich Omonsky. Der 87-jährige Ulmer Seelsorger ist seit 60 Jahren Priester.

Woher die Kraft kommt für den unermüdlichen Dienst? „Das frage ich mich auch“, sagt er trocken. Dietrich Omonsky macht nicht gerne viel Aufhebens um sich. An großartigen Einfällen oder besonderen Talenten könne er nicht viel bieten, meint er bescheiden, außer „dass ich die Begabung bekommen habe, treu zu sein“.

Dann fällt ihm ein Vergleich mit Medizinern ein. Da gebe es ja auch viele Spezialisten mit besonderen Ausbildungen und Begabungen, aber eben auch den Allgemeinarzt. „Ich komme mir manchmal vor wie ein Hausarzt“, schmunzelt der Jubilar. Und vielleicht passt dieser Vergleich, wenn man bedenkt, dass es doch der Hausarzt ist, der seine Patienten am besten kennt, der geduldig zuhört, mit einem guten Wort zur Stelle ist.

Mit Geduld und Großzügigkeit

Für den leitenden Pfarrer Dr. Michael Estler von der Seelsorgeeinheit Ulm Mitte-Ost ist es genau das, was Dietrich Omonsky auszeichnet. „Das Wort Gottes verbreitet sich mit Geduld und Großzügigkeit“ - dieses Zitat von Papst Franziskus passe sehr schön zum Jubilar, „denn ich erlebe Pfarrer Omonsky als einen großzügigen Mitbruder. Nichts ist ihm zu viel, trotz seines Alters. Immer ist er bereit, Gottesdienste zu übernehmen, mitzuhelfen und in unserer Seelsorgeeinheit mit anzupacken“, sagte Estler beim feierlichen Jubiläumsgottesdienst in der Ulmer Georgskirche.

Omonskys gedankliche Anleihe bei der Medizin mag aber auch aus biografischer Sicht naheliegend sein: Sein Vater war Arzt, kam kurz nach dem Krieg mit der Familie nach Ochsenhausen und legte so den Grundstein für die neue Heimat, die Dietrich Omonsky, der am 6. Februar 1933 in Magdeburg geboren wurde, sodann in Schwaben fand. Die Stadt und die Gegend um Ochsenhausen habe ihn geprägt, sagt er. Hier an der Oberschwäbischen Barockstraße mit der beeindruckenden Anlage der ehemaligen Benediktiner-Reichsabtei und der Basilika St. Georg konnte sich auch die Begeisterung für Kirchenkunst entfalten.

Er studierte Theologie in Tübingen, wurde 1960 zum Priester geweiht und unterrichtete nach seinen Kaplansjahren, die er in Ludwigsburg, Schwäbisch Gmünd und Esslingen absolvierte, am Konvikt in Rottweil.

"Lebensformel" 3 mal 17

Drei mal 17 Jahre lautet die Formel des weiteren seelsorglichen Wirkens von Dietrich Omonsky, zunächst von Ende 1969 an 17 Jahre als Pfarrer in Ulm-Wiblingen, dann in Villingen-Schwenningen. Seit 17 Jahren ist er im Ruhestand. Aufgrund der Bindungen aus seiner Wiblinger Zeit, die er lebensgeschichtlich und persönlich als die wichtigste sieht, kehrte er nach Ulm zurück und bezog im St.-Anna-Stift eine Pensionärswohnung.

„Gerne spendet er dort die Sakramente. Er hört den Menschen zu und nimmt sie ernst. Das Gebet um die Erneuerung im Heiligen Geist ist ihm ein großes Anliegen“, sagt Pfarrer Estler über den Jubilar, der auch einen charismatischen Gebetskreis in Eggingen begleitet. Auch die Ulmer Lebensrechtsinitiative und Gebetsgruppe für den Schutz des ungeborenen Lebens konnte immer wieder auf Omonskys Unterstützung zählen. Wer sonst, wenn es die Christen nicht tun, übernimmt die Aufgabe, für das Lebensrecht aller Menschen zu streiten, fragt er.

Ein gutes menschliches Wort

Was er, der „geistliche Hausarzt“, denn als Medizin für die Menschen heute empfehlen könne, wird er noch gefragt. „Die wichtigste Medizin ist ein von der Bibel her getränktes gutes menschliches Wort“, sagt Dietrich Omonsky - und macht nicht den Eindruck, als wolle er seine „Praxis“ schließen. Gleichwohl: „Wie es weitergeht, überlasse ich jemand anderem.“

Beim nachgeholten Jubiläumsgottesdienst zum 60. Jahrestag der Priesterweihe in der Ulmer Georgskirche erklang die Missa de Angelis, gesungen von einem Ensemble der St. Georgs-Chorknaben unter der Leitung von Thomas Stang. Gemeindereferentin Ulrike Schonhardt sang stellvertretend für alle mit der Gitarre ein Segenslied für Pfarrer Omonsky: „Der Herr wird dich mit seiner Güte segnen“ (GL 452).