„Ein gutes Stück Tübinger Theologie in Rom“

Walter Kasper, von 1989 bis 1999 Rottenburger Bischof und jetzt in Rom Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, feierte an seiner einstigen Wirkungsstätte gemeinsam mit 19 anderen Priestern des Weihejahrgangs 1957 sein 50-jähriges Priesterjubiläum.

Ein glaubwürdiger Zeuge für die Präsenz der Kirche in der modernen Welt

Geprägt durch die geschichtsbezogene Katholische Tübinger Schule habe sich Kasper in seinem theologischen Schaffen systematisch den geistigen Herausforderungen der Aufklärung und der Moderne gestellt, betonte Bischof Fürst. Ein zentrales Thema sei für ihn die Freiheit. So sei Kasper als Theologe ein glaubwürdiger Zeuge „für die Präsenz der Kirche in der Welt von heute und für die Begegnung mit der Moderne“, sagte der Bischof. Es sei gut, unterstrich er, Walter Kasper jetzt „in Rom in der Verantwortung für die Ökumene, für die Einheit und Gemeinsamkeit der Christen und der Kirchen, zu wissen“. Er könne die in Baden-Württemberg erlebte Mitbrüderlichkeit zwischen den katholischen und den evangelischen Bischöfen als Erfahrung in seine jetzige Tätigkeit einbringen. Es sein Wunsch, betonte Bischof Fürst, dass auch durch das Wirken von Kardinal Kasper die Ökumene „wieder aus dem Tal heraus kommt, in dem sie sich derzeit zu befinden scheint“.

Für eine Kirche nicht der Beliebigkeit, sondern mit Profil

Was „den Priester, den Professor, den Bischof, den Kardinal Walter Kasper“ auszeichne, sagte der Rottenburger Oberbürgermeister Klaus Tappeser in seinem Grußwort, sei „Ihr unermüdliches Engagement für die Einheit der Christen und die Gestaltung des Glaubens in der modernen Welt; ihre theologische Durchdringung von Glaubensfragen; ihr Einsatz für Menschenrechte und für den Dialog mit anderen Weltreligionen“. Kasper arbeite an einer Kirche und für eine Kirche „nicht der Beliebigkeit, sondern mit Profil“, betonte des Stadtoberhaupt. Für die Stadt Rottenburg seien unter anderem wichtige Bauvorhaben, die Walter Kasper als Bischof initiiert hatte, von dauerhafter Bedeutung, so etwa das Freie Katholische Gymnasium St. Meinrad, die renovierte Karmeliterkirche mit Diözesanmuseum und Diözesanbibliothek und besonders die jüngste Renovierung des Rottenburger Doms. Auch die Präsenz des Bistums im Bildungssektor sei durch den damaligen Bischof Kasper gestärkt worden, nicht zuletzt sei die Erhebung der Kirchenmusikschule zur Hochschule zu erwähnen.

Als Lehrer selbst Hörer und Lernender

Mit Walter Kasper sei „ein gutes Stück Tübinger Theologie“ nach Rom gekommen, unterstrich Professor Johannes Brachtendorf, der als Dekan der Tübinger Katholisch-Theologischen Fakultät die Glückwünsche des Professorenkollegiums überbrachte. Er dankte Kasper für seine 20-jährige Tätigkeit als Dogmatikprofessor in Tübingen und für die Verbundenheit mit der Fakultät, die spätere Bischof und heutige Kardinal auch über seine aktive Lehrtätigkeit hinaus gewahrt habe. Kasper habe als theologischer Lehrer „selbst ein Hörer und Lernender“ sein wollen; er habe die Aufgabe der dogmatischen Theologie als „Brückenschlag zwischen damals und heute“, zwischen der Heiligen Schrift und der gegenwärtigen Glaubenserfahrung verstanden. Seine großen theologischen Werke seien als Lehrbücher bis heute unübertroffen. Brachtendorf unterstrich, Walter Kasper habe seine Aufgabe als Hochschullehrer „immer auch als eine Form des priesterlichen Wirkens geschätzt“ und sein Engagement an der Fakultät auch seelsorgerlich verstanden. Auch dass Kasper „Streit um der Sache willen“ nicht aus dem Weg ging, erwähnte der Tübinger Ordinarius. Das habe nicht nur in der Fakultät gegolten, auch als Bischof habe er sich „zu pastoralen Maßnahmen verstanden, die in Rom nicht immer beifällig aufgenommen wurden“. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an das Schreiben der drei oberrheinischen Bischöfe Kasper, Lehmann und Saier zur Seelsorge an Geschiedenen und Wiederverheirateten. Gemeinsam mit Kasper habe die Fakultät damals die Reaktion aus dem Vatikan bedauert, betonte Brachtendorf.