Ein leidenschaftlicher Seelsorger von großer menschlicher Offenheit

Als einen Priester, der sehr vielseitig und engagiert und ein leidenschaftlicher Seelsorger gewesen sei, hat Bischof Gebhard Fürst seinen Mitstudenten und Kurskollegen im Tübinger Wilhelmsstift gewürdigt. Harner habe in vielen Jahren als Jugendseelsorger mit bundesweitem Auftrag und anschließend als Krankenhauspfarrer durch seine tiefe Spiritualität und seine menschliche Offenheit und Natürlichkeit das Vertrauen ungezählter Menschen gewonnen. In seiner Tätigkeit in der Krankenseelsorge habe er intensiv an der Ausgestaltung der Sterbekultur mitgewirkt. Seiner Leitungsverantwortung als Dekan sei er mit beispielhaftem Verantwortungsbewusstsein und in mitbrüderlicher Verbundenheit mit den pastoralen Mitarbeitern des Ludwigsburger Dekanats nachgekommen, sagte Bischof Fürst. Für die Diözese Rottenburg-Stuttgart sei sein Tod ein schmerzlicher Verlust.

Joachim Harner wurde im November 1943 in Ellwangen an der Jagst geboren. Nach der Schulzeit erlernte er zunächst das Malerhandwerk. Bereits in diesen Jahren war er stellvertretender Bezirksleiter der Christlichen Arbeiterjugend Deutschlands (CAJ) in Stuttgart. Dies wurde auch für viele spätere Jahre seines priesterlichen Wirkens prägend. Am Spätberufenenseminar Collegium Ambrosianum in Stuttgart-Bad Cannstatt bereitete er sich dann auf das Abitur vor, das er im Jahr 1969 ablegte. In Tübingen studierte er von 1969 bis 1975 katholische Theologie, unterbrochen durch ein Auswärtsstudium in München im Jahr 1972. Nachdem er bereits während seines Studiums in Österreich und Frankreich Praktika in der Betriebsseelsorge und in der Arbeiterpastoral absolviert hatte, schrieb er seine theologische Diplomarbeit über Methoden und Modelle der Arbeitspastoral. Im Jahr 1975 wurde Harner in Schramberg zum Diakon geweiht und erwarb seelsorgspraktische Erfahrungen im Diakonatsjahr in Kornwestheim. In seiner Heimatstadt Ellwangen an der Jagst wurde er 1977 zum Priester geweiht. Es folgten von 1977 bis 1980 Vikarsjahre in der Pfarrei St. Maria Suso in Ulm, wo Joachim Harner auch Dekanatsjugendseelsorger des Bundes der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) war. Im Jahr 1980 war er für ein halbes Jahr Pfarrverweser in Kornwestheim. Sein Engagement in der Arbeiterpastoral und in der Jugendseelsorge führte konsequent dazu, dass er im Jahr 1980 zum Diözesankaplan der CAJ in der Diözese Rottenburg-Stuttgart gewählt wurde. Als Bundeskaplan mit Sitz in Essen nahm er diese Aufgabe – verbunden mit zahlreichen anderen bundesweiten Verpflichtungen – von 1989 bis 1994 auf Bundesebene wahr. In diese Zeit fiel auch seine Mitwirkung am Aufbau kirchlicher Jugendarbeit in den neuen Bundesländern.

Mit seiner Ernennung zum Klinikpfarrer am Klinikum Ludwigsburg im Jahr 1994 und seinem Dienstantritt dort im Februar 1995 führte ihn sein Weg wieder in die Heimatdiözese Rottenburg-Stuttgart zurück. Als Leiter des Runden Tischs zur Sterbekultur hatte er einen wesentlichen Anteil an einem Leitbild, das die Sorge um ein würdiges Sterben zum Gegenstand hatte. In vielfältiger Weise befasste er sich als Referent mit Fragen des Sterbens, des Todes und der Trauer sowie mit ethischen Fragen wie der Organtransplantation. Seit 1998 war er im Vorstand der Ökumenischen Hospizinitiative im Landkreis Ludwigsburg. Außerdem war er Sprecher des Suchthelferkreises der Ludwigsburger Kliniken und baute die Ludwigsburger Notfallseelsorge mit auf. Als er im März 2001 zum Dekan des Dekanats Ludwigsburg gewählt wurde, schulterte er außerdem die zahlreichen seelsorgerlichen und administrativen Aufgaben, die mit der Verantwortung für ein großes Dekanat verbunden sind.

Über die Verpflichtungen im Klinikum und im Dekanat hinaus engagierte sich Joachim Harner auch in der Diözese. Seit 1998 war er Mitglied im Diözesan-Priesterrat und in dessen Vorstand. Vorstandsaufgaben nahm er ab 1999 auch in der Aktionsgemeinschaft Rottenburg-Stuttgart der Priester und der pastoralen Mitarbeiter wahr.

Eine schwere Erkrankung zwang ihn im Jahr 2007 dazu, seine Aufgaben ruhen zu lassen. Am vergangenen Samstag ist er an ihren Folgen gestorben.

Das Pontifikalrequiem für Pfarrer Joachim Harner feiert Bischof Dr. Gebhard Fürst findet am Donnerstag, 23. Oktober 2008, um 11 Uhr in der Ludwigsburger Kirche St. Johann Baptist. Anschließend ist die Beisetzung.