Ein Mann mit Ernst, Humor und Charme

Böcker (53) war am 4. Oktober 2006 vom Diözesan-Caritasrat einstimmig in den dreiköpfigen hauptamtlichen Vorstand des württembergischen Caritasverbandes gewählt worden – auf den Platz, der durch den Wechsel von Irme Stetter-Karp in die Bistumsleitung vakant geworden war. Böcker habe das Vertrauen des Aufsichtsrats und ebenso ihr Vertrauen als dessen Vorsitzende gewonnen, weil er aus 22 Jahren Caritasarbeit profunde Praxis- und Managementerfahrungen sowie hohe Fach- und Führungskompetenz mitbringe und in sozialpolitischer Lobbyarbeit ebenso versiert sei wie in den Verhandlungen mit Kostenträgern.

Ordinariatsrätin Stetter-Karp unterstreicht anwaltschaftlichen Auftrag der Caritas

In ihrer Einführung ging Stetter-Karp, die im Bischöflichen Ordinariat Leiterin der Hauptabteilung Caritas ist, auf die drei Schlüsselbegriffe der Katholischen Soziallehre ein: Personalität, Solidarität und Subsidiarität. Im Zuge der zunehmenden Ökonomisierung des Sozialen dürfe die ganzheitliche Wertschätzung des Menschen nicht aus dem Blick geraten. Wenn die Funktionalität des Menschen immer mehr in den Mittelpunkt rücke, wie könnten dann etwa Menschen im hohen Lebensalter „in Achtung ihrer unbedingten Würde“ gepflegt werden. „Längst hat sich tief in Bewusstsein und Handlungsweisen eingeprägt, wer ich welcher Lebenslage den Gemeinwesen was wert ist“, stellte Stetter-Karp fest. Bei der Diskussion um die Zukunft der sozialen Sicherungssysteme und den damit notwendig verbundenen Debatten über soziale Gerechtigkeit und Solidarität sowie über die „gleichzeitigen Entwicklungen von mehr Armut und mehr Reichtum“ brauche es die anwaltschaftliche Stimme der Caritas. In einer „sozialpolitisch fragilen“ Zeit, in der die Lebensrisiken zunehmend privatisiert würden, dürften Eigenverantwortung und Solidarität nicht gegen einander ausgespielt werden. Die Zivilgesellschaft, also alle Bürgerinnen und Bürger, müsse sich der Frage der sozialen Gerechtigkeit stärker annehmen. Allerdings müsse der Staat auch angemessene Steuerungsinstrumente entwickeln, „anstatt zuzusehen, wie der so genannte Markt Raum um Raum erobert und dabei Schritt für Schritt zwangsläufig auch Reste produziert“, mahnte Stetter-Karp.

Zur Person: Johannes Böcker

Johannes Böcker, Jahrgang 1953, ist verheiratet und hat drei Kinder. Nach dem Studium an der Katholischen Fachhochschule in Köln von 1975 bis 1978 und einem Berufseinstieg im Katholischen Jugendamt Wuppertal war der Diplom-Sozialpädagoge zunächst von 1984 bis 1994 im Caritasverband Wuppertal tätig, bevor er 1994 zum hauptamtlichen Vorstand des Caritasverbandes Düsseldorf gewählt wurde, einer großstädtischen Organisation mit 1.100 Mitarbeitenden und rund 90 unterschiedlichen sozialen Diensten und Einrichtungen. Nach der Errichtung einer zweiten Vorstandsstelle wurde er dort 2005 Vorstandsvorsitzender. Böcker nahm auch auf Bundesebene Verantwortung in der Caritas wahr, so unter anderem als Mitglied des Caritasrat, des Aufsichtsgremiums des Deutschen Caritasverbandes.