Ein Mensch, der zur Freiheit ermutigen kann

Hagmann ist seit 2004 Mitglied des Rottenburger Domkapitels und Leiter der Hauptabteilung Pastorale Konzeption. Jetzt scheidet er wieder aus der Diözesanleitung aus und geht als Gemeindepfarrer nach Tettnang. Hagmann sei „mentalitätsmäßig“ und als Oberschwabe auch „herkunftsmäßig geerdet“ und „ein eigener Kopf“, so Bischof Fürst. Als Anwalt einer missionarischen Kirche stehe er stets für eine Haltung der Wertschätzung und eines grundsätzlichen Interesses an den Menschen. Er sei auch „Anwalt einer dienenden Kirche“ und habe mit in seinem bisherigen Verantwortungsbereich, der Weiterentwicklung der Pastoral in der Diözese, mit einem wachen Geist und mit viel Gespür für die Menschen immer auch deren Lebensverhältnisse in den Blick genommen. Hagmann sei Partner und Freund, der eine flache Hierarchie liebe und nicht von Augenhöhe spreche, sondern diese verinnerlicht habe, offen und fair diskutiere und einen wirklichen Dialog pflege. Als Priester versuche er, „das Leben mit den Augen seines Gottes zu sehen“, so Bischof Fürst in seiner Würdigung. Schließlich verbinde Hagmann Realismus und Vision. Er sei eine charismatische Persönlichkeit. Aber, so der Bischof im Rückblick: „Kein Verkopfter kam da nach Rottenburg, sondern jemand der Pfarrer war, der sich als Pfarrer begreift und der mit Herzblut Pfarrer ist und sein will.“ „Pilger aus Leidenschaft“ schließlich sei Hagmann, der dem Heiligen Land durch viele Pilgerreisen ebenso verbunden sei wie dem Jakobusweg nach Santiago de Compostela, wo er einen Seelsorgedienst für deutschsprachige Pilger mit initiiert hat. Auch an der Ausgestaltung eines Martinus-Pilgerwegs durch die Diözese Rottenburg-Stuttgart sei Hagmann wesentlich mitbeteiligt gewesen.

Als Domdekan und Chef des Domkapitels würdigte Weihbischof Johannes Kreidler den scheidenden Domkapitular Rudolf Hagmann als eine Persönlichkeit, die selbst durch Freiheit bestimmt sei und andere zur Freiheit ermutigen könne. Die Weite seines Herzens habe ihn immer wieder Systeme sprengen lassen. „Das hat dem Bischöflichen Ordinariat gut getan, das tut den Menschen gut, und das tut auch Dir selber gut“, sagte Weihbischof Kreidler.

Hagmann selbst plädierte in seinen Dankesworten für eine Kirche der Tiefe und der Weite. Ohne Verwurzelung gebe es keine Bewegung und ohne Tiefe keine Weite. Die Christen müssten heute in einer Situation der Verunsicherung wieder entdecken, wer sie sind, sagte Hagmann. Sie müssten dies ohne Überheblichkeit, aber selbstbewusst vertreten. Die Kirche sei in der Welt und ein Teil der Welt. Sie sei nicht für sich selber da, sondern für ungezählte Menschen, die einen Hunger nach Gott hätten. Dies habe er in zahlreichen Begegnungen ebenso erlebt wie andererseits Menschen, die das Brot ihres Glaubens selbstverständlich mit anderen teilten. Solche Menschen seien „der wahre Kirchenschatz“, so Hagmann.