„Ein Mensch von warmherziger menschlicher Vornehmheit“

In einer Feier im Rottenburger Bischofshaus am Donnertag, 8. Juli, betonte der Bischof, Prälat Redies habe in den Jahrzehnten seiner beruflichen Aktivität nie einen Zweifel daran gelassen, dass er die Bedeutung und den Wert jedes einzelnen Menschen, mit dem er zusammenarbeitete, aufs Höchste schätze und diesen als Verantwortungsträger ernst nehme, höre und fördere, allerdings auch fordere. Es sei eine „noble Facette“ der Persönlichkeit von Werner Redies und habe sich in einer hohen Kunst der Personalführung ausgewirkt, dass Personen nach christlichem Verständnis immer wichtiger als Strukturen seien. Dies habe sowohl für Redies’ Zeit als Generalvikar als auch für spätere Aufgabenbereiche wie z. B. den Aufbau der Stabsstelle Fundraising und der Etablierung des Stiftungswesens in der Diözese gegolten. Bei der Moderation von schwierigen Konfliktsituationen habe er Umsicht und Sachkompetenz ebenso bewiesen wie Sensibilität und Fairness gegenüber den involvierten Personen. So sei bei ihm die langjährige Erfahrung eines guten „Sachwalters“ stets mit dem Herzen eines Seelsorgers verbunden gewesen. Dies habe Redies auch konkret unter Beweis gestellt, als er nach dem Ende seines Auftrags als Generalvikar mit einer halben Stelle seines Dienstauftrags in der Pastoral einer Kirchengemeinde mitgewirkt habe. Fazit der bischöflichen Laudatio: Prälat Redies habe in Souveränität und „mit nobler Zuverlässigkeit“ die kuriale Verwaltung, ihre Institutionen und Gremien mitgeprägt; er habe dabei aber auch trotz seiner vielfältigen Verwaltungsaufgaben stets „den Blick für das ganz Andere bewahrt und immer auch den längeren Atem von Dichtung und Musik gegenüber allen Zahlenwerken und Bilanzen wach zu halten verstanden“. Und nicht zuletzt habe er immer priesterliche Spiritualität gepflegt und durchzuhalten versucht und den Alltag aus ihr heraus gestaltet.

****************

Ein Vierteljahrhundert lang habe Werner Redies als zielstrebig handelnder, strategisch denkender und immer menschenfreundlicher Domkapitular der Diözese gedient, betonte der Domdekan und Vorsitzende des Domkapitels, Weihbischof Johannes Kreidler. Er sei stets öffentlich präsent gewesen, habe aber auch im Stillen gewirkt, so etwa als Seelsorger im Rottenburger „Spital“. Weihbischof Kreidler, stellte den Gästen des Abschiedsabends die Lebensstationen des Prälats vor, den er als „Mann von warmherziger menschlicher Vornehmheit“ würdigte. Werner Redies wurde im August 1935 in Stuttgart geboren. Priester der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist er seit 1964. Nach Vikarsjahren in Warthausen und Geislingen wurde er 1967 zum Rektor des Studienheims Regina Pacis in Leutkirch berufen. Weitere Stationen mit pädagogischer Leitungsverantwortung waren 1975 die Berufung als Konviktsdirektor ans Bischöfliche Gymnasialkonvikt Borromäum in Ellwangen, 1982 die Bestellung zum Konviktsdirektor am Bischöflichen Gymnasialkonvikt und am Studienheim St. Josef in Ehingen (Donau) und zum Leiter der dortigen Außenstelle der Diözesanstelle Berufe der Kirche. 1983 kam die Leitung des theologischen Vorseminars Ambrosianum in Ehingen dazu. Bischof Georg Moser berief den damals 50-jährigen Redies im November 1985 als Domkapitular nach Rottenburg. Im November 1986 wurde ihm der Titel eines Päpstlichen Ehrenkaplans (Monsignore) verliehen, im März 1993 derjenige eines Päpstlichen Ehrenprälats. Im September 1993 ernannte ihn Bischof Walter Kasper zum Generalvikar der Diözese Rottenburg-Stuttgart, ein Amt, in dem ihn Bischof Gebhard Fürst im Jahr 2000 bestätigte und das Prälat Redies bis 2005 bekleidete. Nach der Berufung Bischof Kaspers nach Rom im Sommer 1999 war Redies bis zur Bischofsweihe von Bischof Fürst Ständiger Vertreter des Diözesanadministrators Weihbischof Johannes Kreidler. Zum Jahresbeginn 2005 wurde er als Generalvikar emeritiert und nahm – weiterhin als Mitglied des Domkapitels - den Aufbau des Fundraising und des Stiftungswesens der Diözese als Sonderauftrag wahr. Neben vielen anderen Ämtern und Verpflichtungen war er seit diesem Zeitpunkt in einer Geislinger Kirchengemeinde auch Pfarrvikar mit dem Titel Pfarrer. Einen Auftrag seiner letzten Berufsphase schloss er an diesem Abschiedsabend ab: Er überreichte Bischof Gebhard Fürst und Generalvikar Clemens Stroppel das Manuskript eines Atlas’, in dem Zahlen, Daten und Fakten von sozial-karitativen Diensten, Bildungseinrichtungen, Schulen und andere Institutionen der Diözese Rottenburg-Stuttgart minutiös dokumentiert sind und jetzt auf die Drucklegung warten.

Seinen Wohnsitz wird Prälat Werner Redies künftig in Ellwangen/Jagst nehmen.