Ein neues Kapitel in der Stadtgeschichte Rottenburgs

Neben zahlreichen Gästen aus dem öffentlichen Leben, Mitgliedern des Diözesanrats und Mitarbeitenden des Bischöflichen Ordinariats begrüßte Stroppel eigens die Landtagsabgeordnete Monika Bormann, den Tübinger Landrat Joachim Walter, Oberbürgermeister Stephan Neher und Ersten Bürgermeister Volker Derbogen aus Rottenburg und nicht zuletzt den Stuttgarter Architekten Professor Arno Lederer sowie Eberhard Samtner, Geschäftsführer der ausführenden Firma Wolff & Müller Regionalbau.

Generalvikar Stroppel: „Ein Menschen einladendes Gebäude“

„Schon viele Grundsteine wurden hier gelegt“, sagte Generalvikar Stroppel. Seit 7000 Jahren hätten auf dem Grund der jetzt vorhandenen und geplanten Gebäude Menschen gelebt und gearbeitet. Und weiter: „Wir legen heute unseren Grundstein dazu, reihen uns ein in eine lange Geschichte und bauen weiter: für eine menschliche Zukunft eine menschliche Architektur, für eine die Menschen suchende Kirche und die ihrem menschenfreundlichen Auftrag dienende Verwaltung ein Menschen einladendes Gebäude.“

Der Generalvikar erinnerte daran, dass vor zwölf Jahren der Wettbewerb für dieses Bauvorhaben ausgelobt und durch das Stuttgarter Architekturbüro Lederer + Ragnarsdóttir + Oei gewonnen worden sei. Jahre zuvor bereits sei die dringend anstehende Sanierung des ehemaligen Jesuitenkollegs und der Zusammenführung der an 13 Standorten in Rottenburg verteilten Diözesanverwaltung immer wieder ins Auge gefasst und wieder verworfen worden. Insbesondere habe auch der „traurige und für die Dokumente gefährliche Zustand des Archivs“ dringenden Handlungsbedarf mit sich gebracht. Dennoch seien auch nach 1998 noch viele Neu- und Umplanungen erfolgt; eine schrittweise Umsetzung in einzelnen Modulen sei ebenfalls erwogen worden. Die Reduzierung und deutliche strukturelle Absenkung des Diözesanhaushalts seit dem Beginn seiner Amtszeit habe ebenfalls dazu geführt, die Umsetzung des Bauvorhabens wieder zurück zu stellen. Die Neugestaltung des Eugen-Platzes durch die Stadt Rottenburg habe dann aber auch die Diözese in Zugzwang gebracht, erläuterte Stroppel. Außerdem habe die interne Organisationsentwicklung inzwischen auch den Raumbedarf exakt erkennen lassen. Der erfolgreiche Reduzierungsprozess des Diözesanhaushalts habe dann auch eine Finanzierung des Gesamtprojekts über mehrere Jahre ermöglicht. Im Rahmen der diözesanen Klima-Initiative sei das Bauwerk energietechnisch nachhaltig auf dem neuesten Stand geplant worden. Die „für heutige Zeit alles andere als selbstverständliche Renovierungs-, Umbau- und Erweiterungsmaßnahme“ werde in verantwortungsbewusstem sorgfältigem Umgang mit Kirchensteuermitteln im freigegebenen Kostenrahmen durchgeführt, betonte Stroppel.

Dank sprach der Generalvikar den politischen Mandatsträgern, namentlich der Abgeordneten Monika Bormann dafür aus, dass sie das Budget des Landesdenkmalamts „so nachzusteuern halfen“, dass die Kosten für die erforderlichen denkmalschützerischen Maßnahmen nicht ausschließlich zu Lasten der Diözese gegangen seien. Denn eine Baugenehmigung, so Clemens Stroppel, sei nur mit Zustimmung des Landesdenkmalamts möglich gewesen. Nach „durchaus spannenden Verhandlungen“ habe man „einen gemeinsamen Weg des Interessenausgleichs von Denkmalpflege und Bauherrn“ gefunden. Die Ergebnisse der konstruktiven Zusammenarbeit seien am Montag, 1. März, in einer außerordentlich gut besuchten Präsentation in der Rottenburger Stadthalle vorgestellt worden.

Oberbürgermeister Stephan Neher: „Neuer Glanz für den Eingang zur Stadtmitte“

Als die „mit Abstand größte derzeit laufende Baustelle in unserer Stadt“ bezeichnete Oberbürgermeister Stephan Neher das Bauprojekt zwischen Oberer Gasse und ehemaliger Stadtmauer. Das Ergebnis, das von jetzt an nicht mehr in die Tiefe der Grabungsarbeiten, sondern nur noch nach oben wachse, werde „von vielen Bürgerinnen und Bürgern mit Spannung erwartet“. Das Bischöfliche Palais als „das wohl stadtprägendste Gebäude in Rottenburg“ werde nach seiner Renovierung „unseren bedeutendsten Eingang zur Stadtmitte aufwerten und ihm einen neuen Glanz verleihen“, so Neher. Zusammen mit dem neu gestalteten Eugen-Bolz-Platz werde man „einen sehr schmucken und ansehnlichen Stadteingang“ erhalten. Mit der Giebelgestaltung des Neubaus am Platz der 1789 abgebrochenen Josefskirche werde die bewegte Geschichte Rottenburgs angedeutet. Durch den Erhalt der denkmalgeschützten Gebäude ebenso wie durch den Neubau werde das Stadtbild durch neue Akzente bereichert, betonte Neher. Der Oberbürgermeister beglückwünschte die Diözese und deren Generalvikar „für die mutige Entscheidung, eine Komplettsanierung, verbunden mit den Neubauten, durchzusetzen“. Dieses klare Bekenntnis zur Bischofsstadt erhalte qualifizierte Arbeitsplätze in Rottenburg und eröffne „ein neues Kapitel im Geschichtsbuch unserer Stadt“. Die enge Verbindung zwischen dem Bischöflichen Ordinariat und der Rottenburger Bevölkerung gebe Rottenburg eine besondere Note, die auch in Zukunft gepflegt und weitergeführt werde.

Dr. Thomas Broch