Ein Prozess innerer und äußerer Erneuerung

Viele Menschen schauten sich die Kirche genau an und fragten: Ist in der Kirche drin, was draufsteht?, sagte Bischof Fürst. Es erreichten ihn viele Briefe von der Kirche enttäuschter Menschen, sie hätten den Glauben an die Kirche verloren. Er sei diesen Menschen für die Offenheit dankbar, mit der sie Störungen ansprächen, die von der Kirche ausgingen. Er deute dies in vielen Fällen nicht als ein Aufgeben des Glaubens an die Botschaft der Kirche. Vielmehr sehe er darin eine Anfrage an die „Wirklichmachung des Glaubens“ und einen Zweifel daran, dass die Kirche noch im Vertrauen auf Gott wirke. Glaubwürdigkeit, so der Bischof, erlange man durch glaubwürdiges Sein und Handeln. Ein Prozess der Erneuerung müsse vom Inneren, von einer „Erneuerung von Geist und Sinn“ ausgehen. Und er müsse sich im Äußeren, in der Gestaltung des Zusammenlebens, so auswirken, dass die Kirche „die lebensdienliche und heilschaffende Botschaft vom menschenfreundlichen Gott“ nicht verdunkle, sondern einladend bezeuge.

Bischof Fürst kündigte an, dass dem neu gewählten neunten Diözesanrat der Diözese Rottenburg-Stuttgart bei dessen konstituierender Sitzung Ende März zum Beschluss vorgeschlagen werde, wie der Dialog zur „Läuterung und Erneuerung der Kirche in der Kraft des Heiligen Geistes“ in der Diözese Rottenburg-Stuttgart durchgeführt werden könne. In einem auf zwei Jahre angelegten Prozess werde in Gesprächs- und Diskussionsforen auf unterschiedlichsten Ebenen fortgesetzt, was in der Diözese bereits seit längerem in Gang gekommen sei. Es gehe zum einen um eine Erneuerung der pastoralen Strukturen. Leitend sei dabei die Frage, wie die Seelsorge vor Ort so weiterentwickelt werden könne, dass die Kirche mit der ihr anvertrauten Botschaft den Menschen in ihrem Leben wirklich nahe und hilfreich sein könne. Die Strukturen müssten der Seelsorge und der Spendung der Sakramente dienlicher werden, so der Bischof. Strukturelle Möglichkeiten, die in der Verantwortung der Ortskirche liegen und noch nicht verwirklicht worden seien, sollten dabei ausgeschöpft werden. Es gehe aus diesem „Pilgerweg“ aber auch darum, miteinander über Fragen ins Gespräch zu kommen, die den Menschen auf den Nägeln brennen und die ihnen oft das Vertrauen in eine menschenfreundliche Kirche genommen hätten. Dazu gehöre etwa die Zukunft geschiedener und wieder verheirateter Katholiken oder auch diejenige konfessionsverschiedener Ehen, aber auch die Rolle der Frau in der katholischen Kirche.

Verlorenes Vertrauen müsse zurück gewonnen werden, betonte Bischof Fürst. Das gehe aber nur, wenn das Handeln der Kirche aus einem Vertrauensverhältnis zu Gott heraus geschehe.