Ein „schwäbischer Schaffer“ mit der Fähigkeit zu strukturieren

Ein Gottesdienst im Rottenburger Dom und die Vereidigung der neuen Domkapitulare Matthäus Karrer und Thomas Weißhaar waren bereits am Vormittag vorausgegangen.

Den Leiter der 2003 in der Nachfolge des ehemaligen „Seelsorgeamts“ errichteten Hauptteilung „Pastorale Konzeption“ (IV) erwartet ein umfangreiches und komplexes Aufgabenfeld. Dazu gehören vor allem die Analyse und Auswertung der für die pastorale, kirchliche und gesellschaftliche Zukunft der Diözese relevanten Informationen und Entwicklungen sowie die Erarbeitung und Umsetzung von Visionen und Strategien einer zeit- und bedarfsgerechten Pastoral. Da die Seelsorge eine alle Bereiche der Diözese durchdringende und integrierende Aufgabe ist, erstreckt sich die erforderliche Kompetenz sowohl auf gemeinsame und übergreifende Konzepte als auch auf die Unterstützung anderer Hauptabteilungen bei der Erarbeitung der seelsorgerlichen Aspekte in deren jeweiligem Arbeitsbereich. Das gilt sowohl für die Ebene der gesamten Diözese als auch für die Konkretisierung in den einzelnen Gemeinden und Dekanaten. In das Ressort der Hauptabteilung IV fallen auch die zahlreichen Aufgaben der so genannten Kategorialseelsorge für Menschen mit Migrationshintergrund, für Menschen mit Behinderung, in Hospizen und Kliniken, in City- und Hochschulpastoral, bei der Polizei und im Strafvollzug und vieles andere mehr. Mit dem neuen Leiter der Hauptabteilung „Pastorale Konzeption“, Nachfolger von Prälat Rudolf Hagmann, hatte Bischof Fürst daher ein Schlüsselressort in der Diözesanleitung zu besetzen. In Matthäus Karrer habe er dafür einen „schwäbischen Schaffer“ berufen, der bis an die Grenzen gehe und zugleich ein fröhlicher Mensch sei. Zugleich habe er eine große Fähigkeit, Dinge zu strukturieren, die ihm helfen werde, sich bald einen souveränen Überblick über die Vielfalt der neuen Aufgaben und Vernetzungen zu verschaffen. Der begeisterte Sportler bringe zugleich viel Energie und Ausdauer mit, und er beherrsche es, ihm zugespielte Bälle besonnen anzunehmen und zu entscheiden, ob es sinnvoll sei, sie weiter zu spielen oder ins Aus laufen zu lassen. Bekannt sei der wertschätzende Umgang Karrers mit Mitarbeitenden; er fördere die Fähigkeiten von Menschen, die ihn umgeben. Seine Herkunft aus einer Gastwirtsfamilie habe in ihm Fähigkeiten gefördert, die auch für einen Seelsorger entscheidend seien: einladen, die Menschen nach ihren Wünschen fragen und ihnen dienen. Dies alles seien hervorragende Voraussetzungen für die neue Aufgabe, betonte Bischof Fürst.

Als entscheidende Voraussetzung für die Tragfähigkeit kirchlichen Handelns formulierte der neue Domkapitular in einer kurzen Ansprache, dass es gelinge, bei allen notwendigen Strukturen die Menschen als Geschöpfe Gottes zu sehen und ihnen eine Ehre und einen Wert zu geben. Bischof Gebhard Fürst dankte er für das durch die Berufung bezeugte Vertrauen, den Mitgliedern des Domkapitels St. Martinus für das einhellige zustimmende Votum. Mario Kaifel, während der Vakanz in der Leitung der Hauptabteilung deren kommissarischer Leiter, habe ihm ein gut bestelltes Haus hinterlassen. Den anwesenden Verantwortungsträgern seiner früheren Wirkungsstätte, der Seelsorgeeinheit Isny und dem Dekanat Allgäu-Oberschwaben, bescheinigte Karrer, sie seien in einer schwierigen Phase der strukturellen Neugestaltung durch gemeinsame Visionen verbunden und getragen gewesen. Für ihn sei dieser Tätigkeitsbereich zu einem „Lernort und Ort der Lebensgestaltung“ geworden.

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Matthäus Karrer wurde im August 1968 in Ravensburg geboren. Nach Schulbesuch und Abitur in Wangen im Allgäu studierte er von 1988 bis 1993 katholische Theologie in Tübingen und München. Seine Diplomarbeit schrieb er unter der Betreuung des Tübinger Dogmatikprofessors Hans-Jochen Hilberath über „Ehe und Familie als Hauskirche“.

Im März 1994 wurde Karrer in der Stuttgarter Domkirche St. Eberhard zum Diakon geweiht, im anschließenden Diakonatsjahr erwarb er in Kornwestheim erste Erfahrungen als Seelsorger. Bischof Walter Kasper weihte ihn im Juli 1995 in Neuhausen auf den Fildern zum Priester. Es folgten Vikarsjahre in Herrenberg (1995 – 1997) und in Ulm-Söflingen (1997 – 1999). War er bereits während seiner gesamten Schul- und Studienjahre ehrenamtlich in der Ministranten- und Jugendarbeit tätig, so wurde dies auch der Aufgabenbereich seiner ersten Pfarrerstelle: Von 1999 bis 2002 war er Jugendpfarrer für den Dekanatsverband Ravensburg und das Dekanat Friedrichshafen. Zu seinen Verpflichtungen gehörten dort neben Jugendgottesdiensten oder der Begleitung der Jugendverbände u. a. auch die Zeltlagerseelsorge in Friedrichshafen-Seemoos, die Schulseelsorge an einer Ravensburger Schule oder die Mitarbeit bei der Umsetzung des diözesanen Jugendforums 2000.

Ab September 2002 war Matthäus Karrer Pfarrer der Seelsorgeeinheit Isny im Allgäu. In der pastoralen Praxis konnte er dort bereits seine künftige konzeptionelle Arbeit vorwegnehmen, galt es doch, die sechs Kirchengemeinden zu einer Seelsorgeeinheit zusammenzuführen. Als Vorsitzender des Verwaltungsrats der Sozialbetriebe der Gesamtkirchengemeinde Isny war es auch seine Aufgabe, die Altenheime, die Sozialstation und die Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft in die Pastoral der Gemeinde zu integrieren und sie nach seinem eigenen Verständnis zu „Orten einer diakonisch-missionarischen Pastoral“ zu machen. Dazu gehörte für ihn auch, sie in das ehrenamtliche Netzwerk der Gemeinde einzubinden, so wie die Gewinnung und Förderung ehrenamtlich Engagierter insgesamt ein Schwerpunkt seiner Bemühungen war und ist.

Im April 2008 wurde Matthäus Karrer zum Dekan des neu gebildeten Dekanats Allgäu-Oberschwaben gewählt. Auch hier galt es wieder, die vier bisherigen Dekanate zu einer neuen Einheit zu integrieren und für diese eine gemeinsame Struktur zu entwickeln. Auch die Personalführung der Pfarrer und die Beratung und Unterstützung beim Aufbau der Seelsorgeeinheiten war ihm ein wichtiges Anliegen, ebenso die Vernetzung der Fachdienste mit der Gemeindepastoral und die Unterstützung der Caritasarbeit der Region Bodensee-Oberschwaben. Darüber hinaus nahm er auch diözesane Aufgaben wie die Mitarbeit beim „Jugendforum hoch 3“ des Bundes der deutschen Katholischen Jugend oder bei der Resonanzgruppe „Qualitätsmanagement in den Verwaltungszentren“ wahr. Karrer war bislang Mitglied der Verbandsversammlung des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben. Seinen Sitz im Aufsichtsrat der Stiftung Liebenau wird er weiterhin beibehalten.

Bei all diesen Aufgaben blieb ihm wenig Zeit für seine sportlichen Hobbys in den nahe gelegenen Bergen, doch stellen sie für ihn nach eigenem Bekunden einen notwendigen Ausgleich und eine Quelle der für seinen Dienst erforderlichen Energie dar.

Dr. Thomas Broch