„Ein starkes Herz der Diözese“

Rottenburg, so betonte Bischof Fürst anlässlich der Vorstellung des Buchs von Manz am Mittwoch, 25. November in der dortigen „Zehntscheuer“, habe auf Grund seiner zweitausendjährigen Geschichte ein unverwechselbares religiöses Gepräge und eine Strahlkraft entwickelt, die sich oft erst auf den zweiten Blick erschließe, der tiefer schaue. Manz habe diese „Jahrhunderte alte Strahlkraft und innere Dimension Rottenburgs“ erforscht und in seinem neuen Buch ebenso gründlich wie spannend beschrieben. Die Arbeit gleiche einer „Tiefenbohrung in die religiöse und spirituelle Geschichte Rottenburgs“, sagte Bischof Fürst. Sie sei „akribisch genau im Detail, in den vielen beschrieben Episoden spannend zu lesen, mit großer Liebe zu den Menschen und in tiefer Anteilnahme mit ihren Schicksalen geschrieben, mit Bewunderung für das in Jahrhunderten Hervorgebrachte“. Der Bischof hob unter anderem hervor, dass Rottenburg im ausgehenden Mittelalter und in der Barockzeit für den ganzen Südwesten Deutschlands ein Zentrum religiöser Kunst und in ein europäisches kulturelles Netzwerk integriert gewesen sei. Ein Beispiel dafür sei die im Vorarlberger Barock aufgeführte Wallfahrtskirche Weggental, an deren Gestaltung Künstler von internationalem Rang mitgewirkt hätten. Aber auch durch Bischöfe, Äbte oder Politiker, die aus Rottenburg stammten, habe die „fromme Stadt“ weit über ihre eigenen Grenzen in die Welt hinaus gewirkt. Wer das Buch von Manz mit seinen vielen Beschreibungen religiöser Kulturdenkmäler in Rottenburg lese, werde künftig „mit neuen Augen und mit neuer Gestimmtheit“ durch die Stadt gehen, auch wenn er bislang geglaubt habe, sie als seine Heimatstadt bestens zu kennen. Die Diözese habe in der „urbs pia“ Rottenburg ein „starkes Herz“, betonte der Bischof. Dass die vormals vorderösterreichische Oberamtsstadt nach der Säkularisation zur Bischofsstadt für die württembergischen Katholiken bestimmt worden sei, habe er auch schon früher nicht als „Verlegenheit“ betrachtet, sondern als Bestätigung einer jahrhundertealten religiös-kulturellen Tradition. Nach der Veröffentlichung des Werks von Dieter Manz stehe diese Schlussfolgerung angesichts der Fülle des Materials für ihn außer Frage.

Dem Rottenburger Oberbürgermeister Stephan Neher überreichte Bischof Fürst ein Exemplar des Bandes über Rottenburg, das über Jahrhunderte hinweg „urbs pia“ gewesen sei und schließlich Bischofsstadt geworden sei „und auch bleiben wird“. Er gebe ihm damit „ein Stück vergessener Rottenburger Stadtgeschichte in die Hand“, so der Bischof. Er hoffe, dass der bisher „weithin ungehobene Schatz“ des religiösen Anteils der Stadtgeschichte stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gelange. Die Attraktivität Rottenburgs werde dadurch gestärkt, denn die von Manz vorgestellte Tradition der „urbs pia“ sei ein „Alleinstellungsmerkmal Rottenburgs“, sagte der Bischof mit Blick auf Rottenburgs Standortmarketing.

Einen großen Konsens und das Bewusstsein einer Auszeichnung betonte Oberbürgermeister Stephan Neher hinsichtlich des Prädikats einer „urbs pia – einer frommen Stadt“ für Rottenburg. Dass die Stadt und ihre Bevölkerung der Deutung von Frömmigkeit als Übereinstimmung von Glaubensüberzeugungen und glaubwürdigem Leben gerecht werde und nicht ein Zerrbild von unglaubwürdiger Frömmelei darstelle, sei ein Anspruch, der immer wieder neu zur Bewährung herausfordere.

Dieter Manz: urbs pia – Die Fromme Stadt. Die Bischofsstadt Rottenburg a. N. im Spiegel ihrer Kirchen- und Frömmigkeitsgeschichte. Eine Art Bestandaufnahme, mit einem Geleitwort von Bischof Gebhard Fürst, Lindenberg i. Allg. (Kunstverlag Josef Fink) 2009, mit zahlr. histor. und aktuellen Abb., geb., 272 S., 24 Euro, ISBN 978-3-89870-596-7