Ein Vorbild mit vielen Unbekannten

Bischof Gebhard Fürst und Generalvikar Clemens Stroppel diskutierten anschließend mit dem Filmproduzenten Martin Choroba von der Tellux-Film GmbH in München und den drei Kirchenhistorikern Dominik Burkhard, Würzburg, Andreas Holzem, Tübingen, und Hubert Wolf, Münster die aktuellen Erkenntnisse über den Bekennerbischof, für den seit 2011 ein Seligsprechungsverfahren läuft. Die drei Professoren waren als Mitglieder der Historikerkommission für den Seligsprechungsprozess an der Entstehung des Films beteiligt.

Als schwäbischen Bauernsohn und politischen Strategen, als Pazifist und „Haudegen“, Außenseiter in der Bischofskonferenz und fürsorglichen Bischof in seiner Diözese, vor allem aber als Vorbild an persönlicher Geradlinigkeit kennzeichneten Bischof Gebhard Fürst und die drei Kirchenhistoriker den siebten Bischof der Diözese Rottenburg Stuttgart, Joannes Baptista Sproll, der von 1927 bis 1949 amtierte. Der neue Film zeichnet mit historischen Aufnahmen, nachgestellten Spielszenen und Interviews die Lebensgeschichte Sprolls und deren historisches Umfeld nach. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Zeit des Nationalsozialismus. Diesem widersetzte sich Sproll so konsequent und mit so schlimmen persönlichen Folgen wie kein anderer Bischof in Deutschland. „Sproll hatte schon 1938 mit den Konsequenzen seiner antinationalsozialistischen Positionen zu kämpfen, zu denen sich manche seiner Kollegen nach Kriegsbeginn erst mühsam durchringen mussten“, erklärte der Tübinger Professor Andreas Holzem. Warum der profilierte Bischof dennoch kein Impulsgeber nach außen wurde, gehöre zu den vielen offenen Fragen um seine Person. Man müsse fragen, ob der Film zu früh komme, bestätigte sein Münsteraner Kollege Hubert Wolf, denn mit dem Seligsprechungsprozess habe 2011 auch ein auf Jahre angelegter Forschungsprozess begonnen. Um keine Ergebnisse vorwegzunehmen, verzichte der Film auf große Emotion und anrührende Anekdoten, die es im Leben Sprolls zuhauf gebe, erläuterte Tellux-Geschäftsführer Martin Choroba. Dennoch sorgte vor allem die Szene, in der Bischof Sproll in der Kapelle betet, während der Mob das bischöfliche Palais am Rottenburger Eugen-Bolz-Platz stürmt und bis in die Kapelle vordringt, für ein mucksmäuschenstilles Publikum. Einer der faustgroßen Steine, die an jenem Juliabend 1938 ein Fenster durchschlugen, ist am Anfang und Ende des Films zu sehen. Seit 2006 erinnert er in der römischen Kirche San Bartolomeo all'Isola an Bischof Sproll. Die Kirche ist den Märtyrern des 20. Jahrhunderts gewidmet.

Bischof Gebhard Fürst unterstrich das Anliegen, den herausragenden Bischof Joannes Baptista Sproll durch den Film bekannter zu machen. Dass das Seligsprechungsverfahren erst mehr als sechzig Jahre nach seinem Tod beantragt wurde, hängt nach Ansicht des Bischofs damit zusammen, dass es zumal in einer Kleinstadt wie Rottenburg schwer sei, „die Geschichte dieser schrecklichen Zeit aufzuarbeiten, solange Menschen leben, die darin hinein verwickelt waren“. Außerdem habe das vor dessen Bischofswahl und noch lange nach seinem Tod schwelende Gerücht, Sproll sei Vater eines Kindes, die Einleitung eines Seligsprechungsverfahrens unmöglich gemacht. Die Öffnung vatikanischer Archive brachte die Abschrift der entlastenden Gerichtsakten zutage. Die Originale waren bei den Luftangriffen auf Ulm verbrannt. Die Forschungsarbeit von Professor Hubert Wolf habe dieses Gerücht historisch zuverlässig widerlegt und der Weg zu dem am 9. Mai 2011 eröffneten Seligsprechungsverfahren frei gemacht.