Kirche am Ort

Ein Wohlfühlort in der Rushhour des Lebens

Junge Erwachsene begleiten, beraten und unterstützen will Julia Langendorf in einem neuen Projekt des Dekanats Ehingen-Ulm. Sie übernimmt eine Aufgabe mit Pilotcharakter auf Seelsorgeeinheitsebene für das gesamte Dekanat. Foto: DRS/Jerabek

Heimat geben: Mit einem neuen Projekt auf Seelsorgeeinheitsebene nimmt das Dekanat Ehingen-Ulm die Junge-Erwachsene-Arbeit stärker in den Blick.

Sie gilt als die Rushhour des Lebens – die Zeit, in der junge Erwachsene die Schule abschließen, in eine andere Stadt wechseln zu Studium oder Ausbildung, sich vom Elternhaus ablösen. Doch mit manchen Fragen und Bedürfnissen bleiben sie – auch auf geistlicher Ebene – oft allein. In vielen Kirchengemeinden kommt neben den Angeboten für Familien mit kleinen Kindern, der Erwachsenen- und Seniorenarbeit die Begleitung und Förderung der jungen Erwachsenen zu kurz. Mit einem Projekt auf Seelsorgeeinheitsebene will das Dekanat Ehingen-Ulm jungen Leuten zwischen 18 und 27 Jahren Räume eröffnen, Begegnung ermöglichen und Chancen des Engagements in der Kirchengemeinde aufzeigen. In dieser Woche ist Startschuss für die Profilstelle „Arbeit mit jungen Erwachsenen“ in der Seelsorgeeinheit Iller-Weihung südlich von Ulm.

„Ich möchte mithelfen, jungen Menschen einen Wohlfühlort in unserer Kirche anzubieten“, sagt Julia Langendorf, Jugendreferentin im Dekanat Ehingen-Ulm und seit 1. Juni auch zuständig für Junge-Erwachsene-Arbeit in der Seelsorgeeinheit Iller-Weihung. „Es soll ein Ort und Raum für Heimat sein, ein Ort, um sich auszutauschen, die Möglichkeit für kritische Fragen oder um die eigene Meinung zu hinterfragen. Hier soll Zeit zum Quatschen sein und um die eigene Spiritualität zu finden und zu leben.“

Vernetzung und Kooperation

Die 29-Jährige soll auch einen „Teamerpool“ aufbauen, in dem junge Erwachsene Möglichkeiten des projektbezogenen Engagements finden, etwa bei Kursen oder der Stadtranderholung, die das Jugendreferat des Dekanats organisiert und die in Unterkirchberg, also auf dem Boden der SE Iller-Weihung, stattfindet. Überhaupt bildet die Vernetzung und die Kooperation, etwa mit Initiativen wie „young caritas“, die ehrenamtliches Engagement für junge Leute fördert, einen wichtigen Teil der Profilstelle, die mit einem Stellenumfang von 25 Prozent bemessen ist. Die in der Seelsorgeeinheit mit ihren sechs Gemeinden Unterkirchberg, Steinberg, Staig, Oberkirchberg, Hüttisheim und Schnürpflingen bereits bestehenden Jugendarbeitsstrukturen – Ministranten, KJG- oder KLJB-Gruppen – sollen eine Basis bieten, um junge Leute für eine adäquate aktive Junge-Erwachsene-Arbeit zu gewinnen.

Dekan Ulrich Kloos freut sich, dass das Dekanat mithilfe der Profilstellen Akzente in der Pastoral auf unterschiedlichen Ebenen setzen kann. Die Junge-Erwachsene-Arbeit sei ein wesentlicher und zugleich exemplarischer Teil des pastoralen Auftrags der Kirchengemeinden: junge Erwachsene „in ihrer Entwicklung zu begleiten, wertzuschätzen, ihnen christliche Werte zur Orientierung für ihr Leben anzubieten, Räume für Gemeinschaft und um sich ehrenamtlich einzubringen, zu eröffnen“. Denn vom Einsatz und der Haltung eben dieser heutigen jungen Erwachsenen hänge es wesentlich ab, „wie künftig Gesellschaft wert-voll gestaltet wird, besonders auch in den kirchlichen Gemeinden“, ergänzt Dekanatsreferent Dr. Wolfgang Steffel. Mit der neuen Profilstelle werde die Arbeit mit und für die jungen Leute vor Ort unterstützt und vernetzt und der ländliche Raum gestärkt. Die Erfahrungen könnten auch für andere Gemeinden und für das gesamte Dekanat fruchtbar gemacht werden, ist Steffel überzeugt.

„Begegnungszeit“ am 18. des Monats

Julia Langendorf startet mit einer „Begegnungszeit“ in ihre neue Aufgabe: „Immer am 18. des Monats werden wir uns für zirka zwei Stunden treffen. Es wird jedes Mal ein anders Programm geben und wir werden uns Zeit für uns nehmen.“ Begegnung sei das Fundament von Gemeinschaft; deshalb solle hier Gelegenheit sein, „sich zu begegnen, anderen zu begegnen und vielleicht auch Gott zu begegnen“. Das Treffen soll jeden Monat in einer anderen Gemeinde stattfinden. In einem kurzen Videoclip stellt sie sich und die „Begegnungszeit“ vor.