Eine Einladung, die Erfahrungen des Lebens zu vertiefen

Dies hat der Rottenburger Weihbischof Johannes Kreidler am Sonntag bei der Altarweihe in Langenau betont, mit der die Innenrenovation der dortigen katholischen Kirche „Mater Dolorosa“ ihren Abschluss gefunden hat. Die Renovation der Kirche verbinde Altes mit Neuem, sagte Kreidler, denn aus dem Material des alten Taufbeckens seien der Altar und der Taufstein der neu gestalteten Taufkapelle entstanden.

Unter Berufung auf den Bibeltext des Gottesdienstes betonte der Weihbischof, es komme für das Beten und für die Nähe Gottes nicht auf den richtigen „geographischen Platz“ an, sondern darauf, sich Gottes Geist anzuvertrauen und sich „von innern her seiner Gegenwart auszusetzen“. Dazu bedeute der Altar als sichtbarer Ort des Gottesdienstes eine Einladung. Er lade aber auch ein, den Alltag zu unterbrechen. Die kürzeste Definition von Religion heiße „Unterbrechung“, sagte Kreidler. Das Leben habe „den Sog, es halt zu leben, die Tage hinter sich zu bringen und sich in den Sorgen und Aufgaben zu erschöpfen“. Die Menschen seien in Gefahr, „wie Reporter durchs Leben zu gehen, die alles fotografieren und nichts entwickeln“. Dadurch habe das, was ihnen begegne und sie bewege, keine Wirkungschance mehr. Aber „Leben braucht die Arbeit des Entwickelns“, betonte Weihbischof Johannes Kreidler. Es sei heute „etwas vom Dringlichsten, wieder mehr in die Kammern der Stille und des Gebetes zu gehen, um den Film unseres Lebens zu entwickeln und die Umrisse unserer Lebensgestaltung wieder besser zu erkennen“. So werde es möglich, das „leise Liebeswerben Gottes“ zu vernehmen und nicht durch die Geschäftigkeit auszufiltern. Die Gegenwart Gottes, die der Altar versinnbildliche, bedeute immer Freundschaft, Einladung an die Menschen, sich mit all ihren Schwächen an seinen Tisch zu setzen und Mahl zu halten, sagte Kreidler.

Ausdrücklich dankte der Weihbischof dem Gemeindepfarrer Erwin Schmid, dem Bildhauer Rudolf Kurz, dem Architekten Elmar, dem Kirchengemeinderat und allen Mitarbeitenden, durch deren Schaffen die Kirche in Langenau jetzt „in neuem Glanz“ da stehe.