„Eine Erfolgsgeschichte der Hilfe zum Leben“

Zur Gründungszeit der Rottenburger „Lebenshilfe“ habe man Menschen mit Behinderung teilweise noch versteckt. Aber auch heute stünden sie vor ungezählten Hindernissen. Der Zeitgeist huldige „den Starken und Schönen, den Leistungsfähigen und Effizienten“, sagte der Generalvikar. Dem müsse als „Grundgesetz einer wahrhaft menschlichen Gesellschaft“ das Bibelwort entgegen gesetzt werden: „Einer trage des anderen Last.“

Clemens Stroppel wies darauf hin, dass die unantastbare Würde des Menschen als Antwort auf die nationalsozialistischen Verbrechen gerade auch an Menschen mit Behinderung am Beginn des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland steht. Der Gedanke der Menschenwürde habe seine Wurzeln im biblischen Glauben, dass der Mensch Geschöpf und Abbild Gottes sei, betonte der Generalvikar. „Wo immer die Würde eines jeden Menschen ohne Ansehen seiner Leistungsfähigkeit erkannt, gewahrt und unterstützt wird, wird eine Verteidigungslinie der unveräußerlichen Menschenrechte errichtet.“ Der nicht konfessionell gebundene Verein „Lebenshilfe“ ist, so Stroppel, „eines der Säkularisate christlicher Lebenskultur und Zeugnis für die tiefe Prägung unserer Gesellschaft durch das christliche Humanum“.

Die Rottenburger „Lebenshilfe“ wurde am 14. Dezember 1967 durch 34 Personen des öffentlichen Lebens und beider Kirchen gegründet. Im Jahr 1958 war in Marburg die „Bundesvereinigung für das geistig behinderte Kind“ gegründet worden. „Eine Erfolgsgeschichte der Hilfe zum Leben begann – neun Jahre später auch in Rottenburg“, sagte Stroppel. Das Ziel des Rottenburger Vereins war die Gründung einer Schule für geistig behinderte Kinder, die bereits zehn Monate später als einklassige, vom Verein getragene Privatschule ihre Tätigkeit aufnehmen konnte. Dies war die Keimzelle der später vom Landkreis Tübingen getragenen und von der „Lebenshilfe“ finanziell unterstützten „Lindenschule“ mit Schulkindergarten in der Leipziger Straße in Rottenburg. 1973 konnte diese Schule ihren eigenen Schulneubau beziehen. Generalvikar Stroppel erinnerte daran, dass der Verein ab 1977 die für den gesamten Landkreis im Bau befindliche Werkstätte für Menschen mit geistiger Behinderung in Gomaringen unterstützte und 1979 die Finanzierung einer Fachkraft für die Frühbetreuung geistig behinderter Kinder in Rottenburg übernahm.
Die „Lebenshilfe“ sei zum Aufbau und zur Mitfinanzierung der Beschützenden Werkstätten und des zugehörigen Wohnheims im Rottenburger Dätzweg bereit gewesen. Sie ermögliche jährlich die Teilnahme von drei bis sechs geistig behinderten Kindern an der ökumenischen Spielstadt Rottenburg. Ebenso finanziere sie das Jahr über den Transport von Kindern zur "Montagsgruppe" in der Lindenschule, durch die Jugendliche im Kreisgebiet eine zusätzliche Förderung erfahren. Nicht zuletzt organisiere und betreue die „Lebenshilfe“ gemeinsam mit der Frauenunion die Nikolausfeiern in der Werkstatt für Menschen mit geistiger Behinderung in Rottenburg.

Generalvikar Stroppel überreichte der „Lebenshilfe“ einen Scheck mit einer Spende von 1000 Euro, als „Morgengabe“ für seinen Eintritt als neues Mitglied des Rottenburger Vereins „Lebenshilfe“.