Eine Frage der Glaubwürdigkeit

„Soziale Gerechtigkeit hat viele Gesichter. Diese haben die Akteure der Woche der sozialen Gerechtigkeit öffentlich sichtbar gemacht. Sie haben das Erreichte und die Mängel neu ins Bewusstsein gerückt“ erklärte Bischof Gebhard Fürst in seinem Impulsreferat zum Abschluss der von der Diözese Rottenburg-Stuttgart zum zweiten Mal veranstalteten „Woche der sozialen Gerechtigkeit“. Vom Ruhemob für bessere Arbeitsbedingungen über die Betriebsbesichtigung zur Inklusion in der Arbeitwelt bis zur Warentauschbörse für mehr Nachhaltigkeit reichten die öffentlichen Aktionen in ganz Württemberg. In Ulm trafen sich ehemalige Schlecker-Beschäftigte zum Austausch. Das umfangreiche Vortragsprogramm thematisierte ethische Geldanlagen, solidarische Ökonomie, den Finanzdruck der Kommunen sowie die katholische Soziallehre. Auch Gottesdienste, Kunstwettbewerbe und Ausstellungen waren sozialen Themen gewidmet.

In drei Talkrunden sprachen Akteure über ihre Aktionen und Erfahrungen. Verbandssekretär Peter Niedergesäß berichtete, die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) sei mit ihrem Anliegen, die Landesregierung zu einer Evaluierung des Ladenöffnungszeitengesetzes zu bewegen, einen guten Schritt vorangekommen. Öffentliche Aktionen unter der Überschrift „klug kaufen“ und eine Unterschriftensammlung hätten die Brisanz des Themas gezeigt. Die Italienische Christliche Arbeitnehmerbewegung ACLI in Baden Württemberg konnte mit einem Schreibwettbewerb und einer Solidaritätsaktion Menschen über kulturelle Grenzen hinweg mobilisieren. Der Vorsitzende Giuseppe Tabbì schmunzelte, eine deutschsprachige evangelische Schülerin habe den Schreibwettbewerb in italienischer Sprache des katholischen Verbands gewonnen. Außerdem erbrachte eine ACLI-Solidaritätsaktion 1000 Euro, die einem Projekt für behinderte Kinder in Südafrika zugute kommen. Das Dekanat Freudenstadt, das seit Jahren seinen Fokus auf das soziale Miteinander richtet, nutzte die „Woche der sozialen Gerechtigkeit“ als Vehikel für seine sozialen Aktivitäten. „Unsere Ehrenamtlichen, die bereits seit vier Jahren Sachspenden für den Tafelladen sammeln, sind jetzt nochmals raus zu den Supermärkten und konnten viele Menschen zum Mitmachen bei der Tafelladenkisten-Aktion bewegen“, nennt Dekanatsreferent Achim Wicker ein Beispiel. Ein Experiment war die Einladung zu einem stadtweiten offenen Mittagessen gestern in Horb, bei dem die Gäste mitgebrachtes Essen teilen sollten. „Es hat funktioniert. Soziale Gerechtigkeit geht manchmal ganz unkompliziert“, so Wicker.

Bischof Gebhard Fürst dankte allen Akteuren sowie dem verantwortlichen Leiter der Hauptabteilung Gesellschaft und Kirche des Bischöflichen Ordinariats, Ordinariatsrat Joachim Drumm, und dem Leiter des Fachbereichs Kirche und Arbeitswelt, Wolfgang Herrmann, für ihr Engagement und ihr „christliches Zeugnis“. Er betonte, die Kirche werde „gerade am Einsatz für Benachteiligte gemessen und als Kirche Jesu Christi erkannt“. Der Einsatz für soziale Gerechtigkeit gehöre konstitutiv zu einem wesentlichen Grundvollzug der Kirche, der „Diakonia“. Diesen Aspekt hatte die Diözese Rottenburg-Stuttgart in Erinnerung gerufen, indem sie die Stärkung der sozialen Gerechtigkeit zu einem Arbeitsschwerpunkt der Jahre 2011 und 2012 gemacht hatte.