Veranstaltung

Eine ganz besondere Beziehung pflegen

Ein Mutter-Tochter-Tag im Dekanat Ostalb bietet Gelegenheit zu Gepräch und Gemeinschaft. Foto: Schwenk

Ein Mutter-Tochter-Tag will Anstoß sein, um eine kostbare Beziehung zu pflegen, zu beleben oder auch wieder ins Lot zu bringen.

Mütter und Töchter: eine ganz besondere Beziehung. Braucht sie mehr Beziehungsarbeit? „Ja!“, sagen sich vier Mitarbeiterinnen des Dekanats Ostalb. Ingrid Beck (54 Jahre, Landpastoral Schönenberg), Birgit Elsasser (47, Katholische Erwachsenenbildung) Verena Zauner (29) und Sophie Mößner (19, beide Jugendreferate) sind Mütter und Töchter. Gemeinsam haben sie einen Mutter-Tochter-Tag konzipiert. Zeit gemeinsam verbringen, ohne Druck und Alltagsstress, etwas ganz anders tun, kreativ sein, Gespräche unter Müttern und Gespräche unter Töchtern. Im Interview für die Dekanatszeitung „echo“ sprechen sie über gegenseitige Erwartungen, über den Rückfall in „alte Rollenbilder“ durch die Pandemie und über die Bedeutung von Müttern für die Weitergabe des Glaubens.

Was ist das Besondere an der Beziehung zwischen Müttern und Töchtern und was erwarten beide voneinander?

Birgit Elsasser: Wie auch die Beziehung zu Söhnen etwas Besonderes ist, so befindet sich die Mutter-Tochter-Beziehung doch in einer ganz anderen Spannung. Frau sein und Frau sein, das hat eine andere Qualität. Es sind zwei Frauen, die sich positionieren.

Ingrid Beck: Es ist mir wichtig, eine starke Tochter zu haben, im Sinne von charakterstark; eine Tochter, die für ihre Ideen einsteht und mit Durchsetzungsvermögen an die Dinge geht. Dann ist klar, dass es zu Diskussionen kommen kann und muss. Dabei ist mir wichtig, die Dinge in Ruhe zu klären, am besten abends. Das ständige Wechselspiel zwischen Beziehung halten und das Kind freilassen muss man dabei immer im Blick haben.

Birgit Elsasser: Ich würde mir zuweilen wünschen, dass die Töchter auch die Bedürfnisse der Mütter im Blick haben und sehen, dass wir auch nur Menschen sind. (lacht)

Sophie Mößner: Zu meiner Mutter kann ich immer kommen, sie hört mir zu und verurteilt mich nicht. Zumindest nicht gleich. Bei ihr kann ich nichts falsch machen. Das ist für mich wie ein fester Grund, auf dem ich stehen kann, eine unerschütterliche Basis in meinem Leben.

Verena Zauner: So ging es mir auch. Aber ehrlich gesagt bin ich ein Papa-Kind gewesen. Mit meiner Mutter habe ich immer mehr verhandelt…

In der Corona-Pandemie sind alte Rollenbilder wieder verstärkt aufgekommen. Die Mutter schaut nach den Kindern, arbeitet im Homeoffice, ist Lehrerin, Hausaufgabenaufsicht, Spielgefährtin und noch mehr…

Verena Zauner: Das beobachte ich jetzt tatsächlich noch mehr in meinem Freundeskreis. Da fallen Sätze wie: „Ich bin froh, wenn er die Kinder eine Stunde nimmt“. Da denke ich immer: So kann das doch nicht sein! Vater und Mutter sind in gleichem Maße für die Erziehung und Aufsicht der Kinder zuständig!

Birgit Elsasser: Das alte Rollenbild wurde durch Corona ganz klar befördert. Leider. Die Definition dessen, was Mutter sein heißt, beginnt ab Geburt immer noch in die Richtung: Die Mutter organisiert die Familie, der Vater kümmert sich um die Finanzen. Nur wenige gehen andere Wege. Das müssen wir einfach neu definieren. Aber die ‚Denke‘ sitzt tief – auch bei uns Frauen…

Ganz häufig sind Mütter für die Weitergabe des Glaubens in der Familie zuständig sind. Wie seht ihr das?

Ingrid Beck: Über den Glauben zu reden ist häufig ein Tabu-Thema. Frauen können in der Regel leichter über Gefühle, auch über ihren Glauben sprechen. Demnach orientieren sich Kinder in Glaubensfragen oft an ihrer Mutter.

Sophie Mößner (lacht): Bei uns sind alle katholisch, außer meinem Vater, der ist evangelisch. Beide sind in ihrer Gemeinde aktiv. Wir Kinder sind katholisch getauft und trotzdem in beiden Gemeinden aktiv eingebunden.

Verena Zauner: Ich finde es aber auch wichtig, dass Glaubenserfahrungen selbst gesammelt werden können, und zwar unter Gleichaltrigen.

Birgit Elsasser: Und doch: Kinder werden meist in der Konfession der Mutter getauft. Die Frauen sind es häufig, die die Kinderkirchen machen und die Erstkommunionen begleiten. Es finden sich jedoch kaum mehr Frauen, die sich derart engagieren wollen, die Besuche in den Kinderkirchen sind deutlich zurückgegangen. Und wenn der überfällige Wandel, vor allem auch die Frauenfrage in der Kirche noch länger ignoriert wird, dann wird sich schlichtweg keiner mehr in dieser Kirche beheimatet fühlen und es wird keinen Nachwuchs mehr geben! (Zustimmung von allen)

INFO

Mutter-Tochter-Tag

Miteinander kreativ sein, flauschige Alpakas streicheln und ein gemeinsames Abendessen am Lagerfeuer: das erwartet die Teilnehmerinnen des Mutter-Tochter-Tags. Am 24. Juli treffen sich Mütter und Töchter mit den Organisatorinnen Ingrid Beck, Birgit Elsasser, Verena Zauner und Sophie Mößner um 14 Uhr am Alpakahof Kaut in Horn. Während die Zwölf- bis 14-jährigen Töchter mit Alpakas einen Spaziergang unternehmen, sind die Mütter unter sich und können sich austauschen. Ein gemeinsamer Kreativteil kann Mutter und Tochter auf einer anderen Ebene zusammenbringen, bevor es mit Impulsen zum Abschluss am Lagerfeuer geht. Übungen, wie man sich aufeinander einlassen kann, und partnerschaftliche Arbeit gehören ebenso zum inhaltlichen Teil. Der Tag klingt gegen 21.30 Uhr aus. Die Kosten belaufen sich auf 12 Euro pro Paar (für jede weitere Tochter 5 Euro).

Info und Anmeldung unter jugendreferate-ostalb(at)bdkj-bja.drs.de