Wallfahrt

Eine „lebendige Quelle“ für die Kirche von heute sein

Der Festprediger des Wallfahrtsgottesdienstes, Abt Hermann-Josef Kugler (Mitte), und Pfarrer Gianfranco Loi freuen sich mit den Preisträgerinnen des Tiberiuspreises 2021. Foto: SE Marchtal

Über drei Sendungsaufträge, wie Christen heute ihren Glauben leben können, sprach Prämonstratenserabt Hermann-Josef Kugler bei der Tiberiuswallfahrt.

Auch dieses Jahr fand die Tiberiuswallfahrt in Obermarchtal unter den Vorzeichen der Corona-Pandemie statt. Aufgrund der derzeit hohen Infektionszahlen in Baden-Württemberg wurde auf den Vortrag mit Prof. Wolfgang Urban verzichtet, so dass nur der Wallfahrtsgottesdienst mit Preisverleihung und Einzelsegnung stattfand. Als Hauptzelebrant konnte Pfarrer Gianfranco Loi in diesem Jahr Abt Hermann-Josef Kugler, Abt der Prämonstratenserklöster Windberg und Roggenburg, gewinnen. In der Zeit von 1171 bis 1803 war auch das Kloster Obermarchtal ein Prämonstratenser-Chorherrenstift. In seiner Predigt ging der Abt, ausgehend vom Leben des heiligen Tiberius und mit Rückbezug auf seinen eigenen Ordensgründer Norbert, auf drei Sendungsaufträge ein, die bis heute noch gelten.

Der erste Auftrag sei: Gemeinschaft aufbauen! Eine Pfarrgemeinde solle ein Ort sein, „wo sich Menschen aus allen Schichten und Gruppen zusammenfinden können, um sich auf die Suche nach Gott zu machen, um ihren Glauben zu stärken“. Abt Hermann-Josef rief die Gemeinde auf: „Seid Frauen und Männer, Kinder und Jugendliche, die in ihren Pfarrgemeinden Gemeinschaft stiften und aufbauen!“

Seid betende Gemeinden!

Der zweite Auftrag laute: Seid betende Gemeinden und Gemeinschaften! „Das Gebet, auch und vor allem das gemeinsame Gebet, soll auch eine Pfarrgemeinde prägen. Gemeinsame Gebetsformen, ob in der Überlieferung der Kirche bewährte Formen wie Rosenkranz, Anbetung oder in neuen Gebetsformen wie Taizé-Gebet oder anderen Formen der Jugendliturgie, sind Möglichkeiten, um innerlich aufzuatmen und sich zu stärken für das christliche Alltagsleben“, sagte der Prediger. Für den heiligen Norbert sei die gemeinsame Feier der Eucharistie, die Versammlung als Gemeinde um den Altar, „die innere Quelle seines Handelns“ gewesen.

Der dritte Auftrag laute: Ihr seid gesandt. „Alle Christinnen und Christen sind aufgrund von Taufe und Firmung berufen und gesendet, den Menschen in ihrem Umfeld zu dienen, da, wo sie leben – auf ganz vielfältige Weise“, so Abt Hermann-Josef. „Wo hilfsbereite Gesinnung und tatkräftiges Zupacken sich ergänzen, wo das Handeln aus einem herzlichen Interesse am anderen erwächst, da gewinnt Christsein an Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft. Das brauchen wir gerade heute in unserer Kirche mehr denn je.“ Und als Schlussappell sagte der Prämonstratenserabt: „Wenn es Euch als Christinnen und Christen und uns als Orden gelingt, Gemeinschaft unter den Menschen aufzubauen, im Gebet mit Gott verwurzelt zu bleiben und daraus Kraft für unser Leben zu schöpfen, und mit Herz und Hand für die Menschen um uns da zu sein, dann sind wir wirklich kein 'Museum', das nostalgisch verklärt an den heiligen Tiberius erinnert, sondern eine 'lebendige Quelle' für die Kirche von heute. Dazu helfe uns der heilige Tiberius!“

Musikalisch wunderschön umrahmt wurde der Gottesdienst vom Kirchenchor Obermarchtal. Auch die weiteren Mitwirkenden, angefangen von der Lektorin über die große Schar der Ministranten, die Ordnerdienste bis hin zu den Damen an den Verkaufsständen, trugen dazu bei, dass auch die nun zweite Tiberiuswallfahrt „im Pandemiemodus“ trotz der Umstände zu einem eindrucksvollen Fest des Glaubens und der Gemeinschaft wurde.

Tiberiuspreis für die Franziskanerinnen von Sießen

Am Ende des Gottesdienstes wurde der Tiberiuspreis an die Franziskanerinnen von Sießen für ihre Kinder- und Jugendfranziskusfeste verliehen. Stellvertretend für die Sießener Kongregation nahmen den Tiberiuspreis Schwester Marie Sophie Schindeldecker und Schwester Kathrin Prenzel entgegen. Der Tiberiusorden ging an zwei Frauen, die sich seit Jahren ehrenamtlich für Kinder und Jugendliche in der Seelsorgeeinheit Marchtal einsetzen: Edith Maier näht und kümmert sich seit Jahren um die Ministrantengewänder in Obermarchtal und um die Erstkommuniongewänder in der ganzen Seelsorgeeinheit. Sandra König ist, liebevoll genannt, die „Ministrantenmutti“ der Ministranten von Lauterach, Neuburg, Reichenstein und Talheim, wo sie, neben der Ministranteneinteilung, noch für Proben und Ausflüge und das gesamte Wohl der Ministranten zuständig ist. Pfarrer Gianfranco Loi richtete ein herzliches Dankeschön an alle Preisträgerinnen für ihr Engagement an Kindern und Jugendlichen.

Tiberiuswallfahrt 2021 auf YouTube

Wer bei der Tiberiuswallfahrt nicht mit dabei sein konnte, kann den Gottesdienst nun auf YouTube anschauen und nachfeiern. Im Gottesdienst wurden urheberrechtlich geschützte Lieder gesungen, so dass YouTube einige Stellen gekürzt hat: Nach der Präfation geht es zum Beispiel direkt mit dem Hochgebet weiter.