„Eine neue Art, Kirche zu sein“

Quevedo, Bischof der Erzdiözese Cotabato und außerdem Vorsitzender der asiatischen Bischofskonferenzen, besucht die Diözese Rottenburg-Stuttgart derzeit aus Anlass des 175-jährigen Bestehens des Internationalen Katholischen Hilfswerks missio und des 40-jährigen Bestehens der Weltkirchlichen Arbeit der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Philippinen, so Erzbischof Quevedo, habe die philippinische Bischofskonferenz bereits 1991 eine „pastorale Vision der Kirche“ verabschiedet. „Wir wollen eine Kirche der Armen werden, in der Reiche und Arme miteinander teilen und deren Führer solidarisch mit den Armen sind, indem sie ihre Rechte verteidigen und für soziale Gerechtigkeit eintreten“, erläuterte Orlando Quevedo diese Vision. Arme würden in dieser Kirche der Armen ermutigt, „sich selbst aktiv an der Erneuerung der Kirchen und an der sozialen Veränderung der Gesellschaft zu beteiligen“.
Diese Vision werde dadurch konkretisiert, dass die großen Pfarreien in kleinen Gruppen von 15 bis 20 Familien organisiert werden, aus deren Mitte jeweils ein Leiter ausgebildet werde. Diese kleinen christlichen Gemeinschaften „lernen sich besser kennen, beten für einander, teilen miteinander und helfen sich im Alltag“, sagte der Erzbischof. So werde eine große Pfarrgemeinde „zu einer offenen, betenden und teilenden Gemeinde von Familiengruppen, eine Gemeinschaft von Gemeinschaften“.

Im Dialog mit muslimischen Gelehrten, in dem er sich engagiere, hätten beide Seiten viele Gemeinsamkeiten entdeckt und Vorurteile revidiert, betonte Erzbischof Quevedo. „Durch unseren jeweiligen Glauben haben wir zum aktuellen Friedensprozess zwischen der Regierung und der ‚Moro Islamic Liberation Front’“ beigetragen.

Den Erfahrungen sowohl mit den kleinen christlichen Gemeinschaften als auch mit dem interreligiösen wies Erzbischof Quevedo „angesichts der Herausforderungen durch die zunehmende Säkularisierung und die wachsende muslimische Bevölkerung“ auch eine große Bedeutung für die Kirche in Deutschland zu.

Domkapitular Klaus Krämer, Leiter der Hauptabteilung Weltkirche und missio-Diözesandirektor, wies darauf hin, dass die Beziehungen der Diözese Rottenburg-Stuttgart zur katholischen Kirche auf den Philippen bereits auf das Jahr zurückgehe. In 39 philippinischen Diözesen wurden Projekte in einem Gesamtumfang von rund 5,1 Millionen Euro gefördert, darunter der Bau von Kirchen und Gemeindezentren, Schulen und Bildungshäusern, auch die Errichtung von Stipendien und die Finanzierung von Bildungsprogrammen. Nicht zuletzt habe die Diözese über mehrere Jahre hinweg ein präventives Programm zur Bewusstseinsbildung und zur Organisation von Bürgerinitiativen gefördert, um die Korruption bei staatlichen Behörden zu bekämpfen. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart, so erläuterte Domkapitular Krämer weiter, unterstütze derzeit Schwesterkirchen in mehr als 80 Ländern weltweit. 225 eigene Missionskräfte seien noch heute in 44 Ländern in allen Kontinenten tätig. Das Finanzvolumen, mit dem die Diözese Rottenburg-Stuttgart Projekte der Sozial- und Entwicklungshilfe in Trägerschaft ihrer Schwesterkirchen unterstützt, beträgt laut Krämer jährlich 3,5 Millionen Euro. Dazu kommen weitere 4 Millionen Euro jährlich für Aufgaben der Seelsorge, der Bildung und der Verkündigung.