Eine schwere Gewissenslast

Der Orden der Heimsuchung Mariä hatte seit 1919 in der barocken ehemaligen Klosteranlage im benachbarten Obermarchtal eine Schule mit Internat unterhalten. Das Internat gab der Orden bereits 1988 auf; die Schule ging 1992 in die Trägerschaft der Stiftung Freie Katholische Schule der Diözese Rottenburg-Stuttgart über und besteht seither als Franz-von-Sales-Realschule weiter. 1997 verlegten die Schwestern ihren Konvent nach Untermarchtal.

Anfang dieser Woche hatte sich die ehemalige Schülerin an die Öffentlichkeit gewandt und von Zärtlichkeiten einer damals jungen Ordensschwester berichtet, die sie als sexuelle Übergriffe erlebt und die ihr Leben über viele Jahre hinweg belastet hätten. Die beschuldigte Ordensfrau hatte die ihr zur Last gelegten Handlungen bereits vor 20 Jahren gegenüber der damaligen Oberin des Klosters zugegeben und im persönlichen Gespräch das Opfer um Verzeihung gebeten. Noch im März dieses Jahres war es zu einem telefonischen Kontakt gekommen, bei dem die Schwester erneut um Verzeihung gebeten hatte. Wenn die Frau ihrerseits dies wünsche, sei sie ebenso wie ihre Ordensoberen selbstverständlich auch heute zu weiteren Begegnungen bereit, um gemeinsam nach Wegen zu suchen, das Geschehene zu bearbeiten, lässt sie mitteilen.

Gemäß den vorläufigen Richtlinien zum Thema Sexueller Missbrauch, die die Deutsche Ordensoberenkonferenz im Juni 2009 erlassen hat, hat die Sießener Franziskanerin Schwester Claudia-Maria Mühlherr, unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe Gespräche mit der beschuldigten Ordensfrau und ihren Vorgesetzten geführt. Sie ist Mitglied eines durch die Gemeinschaft der Ordensfrauen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart beauftragten Beraterteams und bietet auch dem Opfer die Möglichkeit der persönlichen Aussprache an. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Beraterteams steht sie für Gesprächswünsche im Zusammenhang mit Missbrauchsvorfällen durch Ordensschwestern zur Verfügung.

Durch die Gemeinschaft der Ordensfrauen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart beauftragtes Beraterteam:
 Sr. Claudia-Maria Mühlherr (Sozialarbeiterin), Kloster Sießen,
E-Mail: sr.claudiamaria(at)klostersießen.de
 Herr Matthias Haag (Jurist), Ravensburg, E-Mail: haag(at)gravensburg.justiz.bwl.de
 Sr. Dorothee Laufenberg (Rechtsassistentin, Klinikseelsorgerin), Laupheim,
E-Mail: sr.dorothee(at)kloster-laupheim.de
 Frau Dr. med. Petra Moser (Psychotherapeutin), Ravensburg,
E-Mail: dr.petra.moser(at)web.de

Ansprechpartner bei der Kommission Sexueller Missbrauch der Diözese Rottenburg-Stuttgart:
 Robert Antretter, Bundestagsabgeordneter a. D. und Vorsitzender der Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung, Backnang, E-Mail: robert.antretter(at)lebenshilfe.de
 Frau Dr. iur. Tanja Johner-Camaj, Oberrechtsrätin, Rottenburg a. N.,
E-Mail: tjohner(at)bo.drs.de
 Dr. iur. can. Norbert Reuhs, Offizialatsoberrat, Rottenburg a. N.,
E-Mail: nreuhs(at)bo.drs.de