„Einheit von Glaube, Bildung und lebendigem Zeugnis“

Trotz körperlicher Schwerstbehinderung, die ihm den Namen „Hermannus contractus“ eintrug, habe der am 18. Juli 1013 im oberschwäbischen Altshausen geborene Mönch und Universalgelehrte die Geschichte bis in die Gegenwart hinein geprägt, sagte der Bischof bei einem feierlichen Gedenkgottesdienst am Sonntag in Altshausen. Die Persönlichkeit Hermanns des Lahmen diene als Warnung davor, vom äußeren Schein her auf Menschen zu schließen. „Hermannus contractus macht demütig und den Blick auf Welt und Menschen sensibel.“

Bischof Fürst erinnerte an die Leistungen des Mönchs, den seine Familie Altshausen-Veringen bereits im Alter von sieben Jahren ins Kloster Reichenau gab. Wegen seiner Genialität als Astronom, Mathematiker, Geschichtsschreiber, Dichter, Musiker und Erfinder hätten seine Zeitgenossen ihn als „Staunen des Jahrhunderts“ bewundert. Das 41-jährig verstorbene Genie zeige, dass Frömmigkeit, Bildung und lebendiges Glaubenszeugnis zu stimmiger Einheit finden können. Hermann weise darauf hin, dass aus scheinbar Schwachem enorme Kraft erwachsen könne.

Hermannus contractus wird die Einteilung der Zeit in vor und nach Christus zugeschrieben, ebenso in Stunden und Minuten. In „Chronica“ beschreibt er die Geschichte von Christus bis zu seinem Todesjahr 1054. Mit dem Astrolabium trug er zur Erfassung des Alls bei; auch eine Taschen-Sonnenuhr erfand er. Ob er den berühmten Marienhymnus „Salve Regina“ verfasste, ist nicht bewiesen. Er ähnelt Texten, die eindeutig von Hermann stammen.