Einrichten in neuer Heimat

Rottenburg/Stuttgart. 8. März 2015. Die erste heilige Messe zusammen mit ihrem Erzbischof Ramzi Garmou (Teheran) haben die chaldäisch-katholischen Christen aus dem Raum Stuttgart gefeiert. Die Pauluskirche in Stuttgart-Rohracker war am Sonntag während der Feier im altorientalischen Ritus, die der für die Chaldäer in Europa zuständige Teheraner Erzbischof leitete, überfüllt. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hatte der chaldäischen Gemeinde Mar Shimon Bar Sabai, deren Zahl durch Flucht aus Irak und Syrien derzeit deutlich wächst, die Pauluskirche überlassen. „Ich bin im Gebet bei Ihnen in diesen Zeiten der Bedrohung, der Ängste und der Vertreibung“, schreibt Bischof Gebhard Fürst in einem Grußwort.

Die chaldäische Kirche ist seit dem 16. Jahrhundert mit der römisch-katholischen uniert und gehört zu den ältesten überhaupt. Während christliches Leben in Ländern des Vorderen Orients, von Auslöschung bedroht ist, entstanden in Europa neu auf Dauer angelegte Gemeinden. Bereits seit Ende 2014 nutzen die Stuttgarter Chaldäer, deren Zahl sich mit steigender Tendenz derzeit auf rund 1.500 beläuft, die Pauluskirche. Zum Ende des laufenden Jahres sollen sie auch das Gemeindezentrum daneben verwenden können.

In einem KNA-Interview betonte Erzbischof Garmou kürzlich, er sehe die Kirchen im Vorderen Orient existenziell bedroht. Er sprach sich dafür aus, alle Anstrengungen zu unternehmen, dass die Christen dort Zukunft haben. Die Krise im Nahen Osten könne allerdings nicht mit Krieg und Waffen gelöst werden. Über die Rolle der USA sagte er, deren Außenpolitik fördere den Terrorismus. 2003 hätten die USA im Irakkrieg Bagdad in kurzer Zeit eingenommen. „Und nun sollen sie nicht in der Lage sein, ein paar tausend Dschihadisten zu verjagen? Das ist doch eine Lüge.“

Uwe Renz