„Einzigartiges Fest in Europa“

Vor der Messe legten die Reiter in Gehrock und Zylinder, angeführt vom rot gewande-ten Heilig-Blut-Reiter, den zehn Kilometer langen Prozessionsweg teilweise in strö-mendem Regen zurück. Zu Beginn der von Musikkapellen begleiteten Prozession hat-te Nuntius Perisset dem Blutreiter, einem Mönch des Klosters Weingarten, das Reli-quiar überreicht, mit dem der Pater hoch zu Ross die Menschen in den Straßen sowie die Felder und Fluren segnete. Nuntius Perisset und der Bischof der Diözese Rotten-burg-Stuttgart, Gebhard Fürst, verfolgten die Prozession vom Balkon des Weingarte-ner Rathauses aus, begleitet von Vertretern aus Politik und Gesellschaft.

Bis zu 30.000 Besucher kommen jedes Jahr zum traditionellen Blutfreitag nach Wein-garten. Die Verehrung der Blutreliquie in der Weingartener Benediktinerabtei, der größten barocken Klosteranlage Europas nördlich der Alpen, hat eine 915-jährige Tradition. Der Blutritt, auf einer 10 Kilometer langen Strecke nach altem Brauch ange-führt von einem Mönch des Klosters, gilt mit rund 3.000 Reitern in Gehrock und Zylin-der als weltweit größte Reiterprozession. Der Legende zufolge bewahrte der in der Leidensgeschichte Jesu erwähnte römische Hauptmann Longinus Erde auf, die mit Blut des Gekreuzigten getränkt war. 1094 erwarb das Kloster Weingarten die Reliquie von der Stadt Mantua und lädt seitdem zum Blutritt um den Martinsberg ein.