Elementarer Teil der Bildungslandschaft

Warum es konfessionelle Weiterbildung braucht und was ihre zukünftigen Aufgaben sind, beleuchteten der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart Gebhard Fürst, der Leiter der Katholischen Erwachsenenbildung Michael Krämer sowie Professor Norbert Vogel vom Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Tübingen und Hille Haker, Professorin für theologische Ethik aus Chicago. Staatssekretärin Marion von Wartenberg bezeichnete die Katholische Erwachsenenbildung und die Diözese als „wichtige Gesprächspartner für das Kultusministerium“ etwa bei der Erarbeitung des im Koalitionsvertrag angekündigten Weiterbildungspakts oder beim Aufbau eines Netzwerks für Weiterbildungsberatung. Die Katholische Erwachsenenbildung Diözese Rottenburg-Stuttgart e. V. ist mit 23 Standorten in den württembergischen Landkreisen präsent.

Als „unabdingbar notwendiges kirchliches Handlungsfeld“ bezeichnete Bischof Gebhard Fürst die Erwachsenenbildung. Es sei ihr vom christlichen Gottes- und Menschenbild „theologisch begründeter Auftrag“, nach den Entwicklungsmöglichkeiten des Menschen zu fragen und diese zu fördern. Eine Zukunftsaufgabe der Katholischen Erwachsenenbildung sei die „aufsuchende Weiterbildung bzw. Bildungsberatung“, erklärte der Bischof. Selbstkritisch stellte er fest, die Katholische Erwachsenenbildung habe bisher „weitgehend ein Mittelschicht-Publikum“ und werde ihrem Auftrag noch nicht genügend gerecht, sich zum Anwalt der persönlichen Entwicklung besonders der gesellschaftlich oder kirchlich ausgegrenzten Menschen zu machen.

Norbert Vogel, Professor für Erwachsenenbildung und Weiterbildung und Stellvertretender Vorsitzender der Katholischen Erwachsenenbildung in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, erläuterte, die kirchliche Erwachsenenbildung stehe zunehmend unter Legitimationsdruck und müsse ihre „genuine Bildungsleistung für die Gesellschaft“ kenntlich machen. Der Leiter der Katholischen Erwachsenenbildung Michael Krämer unterstrich, kirchliche Erwachsenenbildung müsse „Orte aufsuchen, an denen sich Menschen in prekärem Zustand finden, und Methoden wählen, die mutig machen und mündig, die Partizipation ermöglichen und Ausgrenzung verhindern“.

Staatssekretärin Marion von Wartenberg, die außer für berufliche und frühkindliche Bildung und die Privatschulen auch für Religionsangelegenheiten und Weiterbildung zuständig ist, erklärte, mit Themen wie Eltern- und Familienbildung, Pädagogik, Erziehungsfragen, Diakonie, aber auch Theologie, Philosophie, Literatur und Kunst decke die Katholische Erwachsenenbildung „unerlässliche Bildungsbereiche für die gesamte Gesellschaft“ ab. Die Kernkompetenzen der konfessionellen Erwachsenenbildung, Sinnsuche und Werteorientierung, würden in einer von Pluralisierung geprägten Welt verstärkt benötigt. „Das Wissen um die Wurzeln der Gesellschaft und deren Auswirkungen auf die Rechtsprechung, Kunst und Kultur bis hin zu Fragen der Ethik in Wirtschaft, Medizin und Lebensrecht ist ohne ein grundlegendes Verständnis von christlich-jüdischem Denken nicht denkbar“, so von Wartenberg. Hinsichtlich der Anhebung der Grundförderung der allgemeinen Weiterbildung durch die Landesregierung betonte sie: „Dass die kirchlichen Bildungswerke auf Grundlage des Weiterbildungsförderungsgesetzes eine Gleichbehandlung mit den Volkshochschulen erfahren, ist für mich eine Selbstverständlichkeit“.
Literaturpreis (dazu erging an Sie eine gesonderte Pressemitteilung am 19.04.)
Bereits am Freitag fand die Verleihung des dritten Literaturpreises der Katholischen Erwachsenenbildung der Diözese Rottenburg-Stuttgart statt. Ausgezeichnet wurde der Schriftsteller Walle Sayer aus Horb-Dettingen für fünf Gedichte mit dem ersten Preis, der mit 1.000 Euro dotiert ist. Den zweiten, mit 500 Euro ausgestatteten Preis erhielt Anke Laufer aus Tübingen für ihre Erzählung „Das Zwinkern der Venus“. Anja Munding aus Köln gewann mit dem dritten Preis einen dreitägigen Aufenthalt in einem der acht Tagungshäuser der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Ausstellung zur Geschichte
Eine am Wochenende im Stuttgarter Kolpinghaus erstmals gezeigte Ausstellung „Leben ist unser Thema“ gibt einen Überblick über 40 Jahre Gesellschaft, Kirche und Erwachsenenbildung im württembergischen Landesteil. Die Katholische Erwachsenenbildung der Diözese Rottenburg-Stuttgart e. V. wurde 1973 als Dachorganisation ins Leben gerufen. Mitglieder sind neben den 23 Standorten in den Landkreisen die acht Fachbereiche der diözesanen Hauptabteilung Kirche und Gesellschaft, die in der Arbeitsgemeinschaft katholischer Organisationen und Verbände (ako) organisierten Zusammenschlüsse sowie weitere diözesane Einrichtungen wie die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die Fachstelle Medien oder das Katholische Bibelwerk. Die Ursprünge der Katholischen Erwachsenenbildung liegen im Verbandswesen. Die katholischen Verbände machten parallel zu den Arbeiterbildungsvereinen, aus denen später die Volkshochschul-Bewegung wuchs, im 19. Jahrhundert die Bildung für Jugendliche und Erwachsene zur ihrer Aufgabe.


Information:
Die Ausstellung „Leben ist unser Thema“ kann ausgeliehen werden bei der Katholischen Erwachsenenbildung der Diözese Rottenburg-Stuttgart e. V., Jahnstraße 30, 70597 Stuttgart, Tel. 0711 9791-211, keb(at)bo.drs.de

www.keb-drs.de