Engagement, Dynamik und Kreativität für die Bewahrung

Am Donnerstagabend ist er im Stuttgarter Bischofhaus „Stella Maris“ durch die Schirmherrin des Preises, die baden-württembergische Umweltministerin Tanja Gönner, und Bischof Fürst erstmals verliehen worden. Eine lobende Erwähnung erhält die die Kirchengemeinde Zum Heiligen Kreuz gemeinsam mit der Katholischen Spitalstiftung in Horb am Neckar.

Der Franziskus-Preis wird im Rahmen der breit angelegten Klima-Initiative der Diözese Rottenburg-Stuttgart ausgelobt. Die siebenköpfige Jury unter Vorsitz des Fraktionsvorsitzenden der Fraktion der Grünen im Landtag von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, hat die Initiativen der ausgewählten Preisträger in einstimmiger Entscheidung für besonders vorbildliches und zukunftsweisende Verhalten im Sinne ökologischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Nachhaltigkeit gewürdigt. Neben Preisgeld und Urkunde erhielten die prämierten Projekte auch ein in Bronze gegossenes Medaillon zum „Sonnengesang“ des heiligen Franz von Assisi, das der Rottweiler Bildhauer und Maler Siegfried Haas für diesen Preis gestaltet hat. Ebenfalls mit dieser Franziskus-Medaille ausgezeichnet wurde der Leiter des Heilbronner katholischen Verwaltungszentrums, Hermann Storz, der seit Jahren ein Pionier in der Nutzung von Solarenergie ist und in seinem Zuständigkeitsbereich auf kirchlichen Gebäuden über 20 Photovoltaik-Anlagen installiert hat und ertragreich bewirtschaftet.

Kretschmann hob in seiner Ansprache hervor, „mit welchem Engagement, mit welcher Dynamik und mit welcher Kreativität“ sich die Diözese Rottenburg-Stuttgart und die Kirchen in Baden-Württemberg insgesamt der Sorge um die Bewahrung der Schöpfung annähmen. In seiner Laudatio würdigte er das Projekt der Reutener Franziskanerinnen, die neben umfangreichen Maßnahmen zur Nutzung von Solarenergie, zur Energieeinsparung und zur Nutzung von Regenwasser vor allem auch ökologischen Garten- und Landbau betreiben, als „exemplarische Form eines guten Lebens“. Motiviert durch franziskanische Spiritualität, sei ihr Handeln sehr konkret und erdverhaftet, sagte Kretschmann. Der Garten sei ein aussagestarkes Symbol und ein „Prinzip“ der Einbettung des Menschen in seine natürliche Umwelt und des verantwortungsbewussten Umgangs mit der Schöpfung. Durch ein sorgfältig entwickeltes Konzept der Bildungsarbeit mit Familien, Kindern und Jugendlichen leisteten die Ordensfrauen weit über die Grenzen des Klosters hinaus öffentliche Bewusstseinsarbeit.

Ein „Projekt Hoffnung“ nannte der Laudator des Projekt „Energiewende“ der Kirchengemeinde zum Guten Hirten in Ulm-Böfingen. Ausgehend von einer Initiative umweltorientierter Bildungsarbeit in der Kirchengemeinde und darüber hinaus, so Kretschmann, hätten die Katholiken der Ulmer Stadtrandpfarrei sich auf einen Prozess der „ökologischen Bestandsentwicklung“ ihrer baulich und energetisch maroden Gemeindeimmobilien eingelassen und zugleich das Wagnis auf sich genommen, die architektonisch bedeutende Kirche zu sanieren. Dies sei neben der ökologischen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeit auch ein Beispiel für „kulturelle Nachhaltigkeit“. Eine Kirche trotz ihrer baulichen Mängel nicht abzureißen, sondern zu erhalten und in ihrem ästhetischen Wert wieder sichtbar zu machen, bedeute auch, dem öffentlichen Raum städtebaulich und geistig die Mitte zu erhalten und ein sozial schwieriges Wohnquartier qualitativ „aufzurüsten“, betonte Kretschmann.

Als „Blaupause für andere Kirchengemeinden“ und als „hoch pädagogisches Vorbild“ würdigte Kretschmann die integrierten Maßnahmen des Energieverbunds der katholischen Kirchengemeinde Zum Heiligen Kreuz und der Katholischen Spitalstiftung in Horb am Neckar. Besonders würdigte er die Initiative des hauptamtlichen Verwaltungsaktuars und Stiftungsdirektors Peter Silberzahn. Es sei nicht selbstverständlich, so Kretschmann, dass „Verwaltungsfachleute – auch in der Kirche – die Verantwortung für die Schöpfung als originären Bestandteil ihrer hauptamtlichen Verwaltungstätigkeit begreifen und umsetzen“.

Die Schirmherrin des Franziskus-Preises, die baden-württembergische Umweltministerin Tanja Gönner, sagte: "Die Auslobung des Franziskus-Preises ist eine wichtige Motivation für Menschen, die sich in vorbildlicher Weise für Projekte des Klimaschutzes und der Nachhaltigkeit engagiert haben." Die Klima-Initiative der Kirche sei ein wichtiger Beitrag für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen und die Bewahrung der Schöpfung. "Beim Klimaschutz brauchen wir solche Mitstreiter."

Bischof Gebhard Fürst, der Stifter des Franziskus-Preises, wies mit Bezug auf den Sonnengesang und den Schöpfungsglauben des heiligen Franz von Assisi darauf hin, dass die Verantwortung der für die Umwelt und besonders auch für den Klimaschutz neben der „ökologischen und ökonomischen Rationalität“ auch eine starke theologische und spirituelle Wurzel habe. Die Verantwortung „gegenüber dem Schöpfergott“ und die „dankbare Antwort auf sein Geschenk unseres eigenen Lebens und aller Kreatur“ müsse das entscheidende Motiv sein, um nicht im „Schatten des Technokratischen“ oder auch im „Schatten der Hoffnungslosigkeit“ zu bleiben. Franziskus, der Namensgeber des Preises, ermutige angesichts von lähmendem Pessimismus zur Lebensfreude. „Wir dürfen uns am Leben freuen, dürfen die Gaben der Natur genießen und müssen nicht als Duckmäuser durchs Leben gehen“, sondern „wir sind Freigelassene der Schöpfung“, sagte Bischof Fürst. Andererseits weise die Schöpfungsspiritualität des Franz von Assisi dem Menschen auch das rechte Maß zu. Die Selbstvergötterung des Menschen habe noch immer Schrecken und Leid mit sich gebracht. „Wir sind nicht Shareholder, sondern Treuhänder der Schöpfung“, sagte der Bischof.

Im Jahr 2010 wird der Franziskus-Preis zum nächsten Mal ausgelobt.